Millionen-Korruptionsfall vor Gericht : Banker ließ sich schmieren

Nun wird der Fall vor dem Landesarbeitsgericht verhandelt: Der ehemalige Arbeitgeber fordert 3,8 Millionen Euro Schadensersatz.

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Als 17-Jähriger hatte der Bankangestellte bei dem Geldinstitut angefangen; vor vier Jahren erhielt er nach 41 Jahren Betriebszugehörigkeit die fristlose Kündigung – wegen Korruption. Die ist inzwischen in allen Instanzen bestätigt. Jetzt muss sich das Landesarbeitsgericht weiter mit dem Fall befassen, denn die Banken Service GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Landesbank Berlin (ehemals Bankgesellschaft) macht Schadensersatzansprüche in Höhe von 3,8 Millionen gegen ihren ehemaligen Angestellten geltend. Deswegen verweigert das Unternehmen die Auszahlung der Betriebsrente in Höhe von monatlich 2100 Euro. Vor dem Arbeitsgericht war dem Arbeitgeber im Frühjahr ein Schaden von rund 70.000 Euro anerkannt worden.

Mal war es ein teures Porzellanservice im Wert von 2900 Euro, dann über einige Jahre lang edle Rotweine für jeweils mehrere hundert Euro, die das Unternehmen O. dem Banker, der als Bereichsleiter auf der Führungsebene unterhalb des Geschäftsführers tätig war, zugute kommen ließ, trug Richter Joachim Klueß am Mittwoch vor. Es gab Computerzubehör, auch eine Alarmanlage wurde im Privathaus des Mannes installiert, außerdem erhielt die Ehefrau des Bankers einen Arbeitsvertrag mit außergewöhnlich guten Arbeitsbedingungen, so der Richter. Und der Mann soll mit zehn Prozent am Umsatz beteiligt worden sein. Dafür soll er dem Unternehmen, das die Erfassung, Korrektur und Archivierung von Überweisungsaufträgen für die Landesbank übernahm, nicht berechtigte Zahlungen überwiesen sowie über einen Zeitraum von sechs Jahren überhöhte Preise für Leistungen akzeptiert haben. Nach Angaben des Arbeitgebers hätte die Landesbank 3,4 Millionen Euro gespart, wenn Zeitarbeitnehmer und nicht die Firma O. beauftragt worden wäre. Durch einen anonymen Hinweis – vermutlich eines Beschäftigten der Firma O. – war die ganze Sache im Jahr 2006 aufgeflogen. Die Kriminalpolizei wurde eingeschaltet. Die strafrechtliche Aufarbeitung des Falls läuft noch; die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt dauern an.

Richter Klueß ließ durchaus durchblicken, dass die Kammer von einem höheren Schaden als die erste Instanz ausgeht. Einen Vergleichsvorschlag des Gerichts, nach dem das Unternehmen sieben Jahren lang keine Betriebsrente in Höhe von monatlich 2100 Euro (insgesamt rund 180 000 Euro) zahlen muss, lehnte der Kläger ab. Das Verfahren wird im November fortgesetzt.

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