Millioneninvestition : Golfclub Wannsee auf Einkaufstour in Motzen

Der Land- und Golfclub Wannsee wollte in Brandenburg einkaufen. Der Vorvertrag zum Erwerb des schönen Golfplatzes am Motzener See war schon unterschrieben. Aber dessen Betreiber, die CCA Group, trat in letzter Minute zurück – das Geschäft ist geplatzt.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Berlin -  „Schade“, sagt Michael Siebold, Geschäftsführer in Wannsee. Sein Verein muss sich auch künftig mit der landeseigenen Anlage im Südwesten Berlins begnügen, die nur gepachtet ist.

Für die Mehrheitsanteile am Golf & Country Club Motzen hätten die Berliner immerhin 4,7 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. Der neue Pachtvertrag für Wannsee, der 2008 mit dem Senat abgeschlossen wurde, hatte drei Millionen Euro gekostet. Außerdem muss der Club fast zwei Millionen Euro Altschulden abbauen und benötigt weitere zwei Millionen Euro Kredite für Sanierungsinvestitionen. Dass in dem gemeinnützigen Verein eine beträchtliche Wirtschaftskraft steckt, vermuten die Haushaltsexperten im Abgeordnetenhaus schon lange.

So kann sich die Vorsitzende des Vermögensausschusses, Dilek Kolat (SPD), gut an den Streit um den Pachtvertrag erinnern, den der Senat 2008 mit dem Club abschloss – am Parlament vorbei. SPD und Linke, aber auch CDU und Grüne waren sich damals einig, dass der Verein mit einer Pacht von 3, 045 Millionen Euro für 99 Jahre bevorzugt behandelt wurde. Zum Vergleich: Der 1. FC Union zahlt für das Erbbaurecht an der Alten Försterei umgerechnet doppelt so viel. „Die Absicht des Golfclubs, sich in Motzen einzukaufen, bestätigt unsere Kritik“, sagte Kolat dem Tagesspiegel.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wird, wenn er das hört, die Stirn runzeln. Er wollte den Wannseern das öffentliche Grundstück im Frühjahr 2008 sogar verkaufen – für günstige 6,30 Euro pro Quadratmeter. Wegen des Widerstands im Landesparlament gab es nur einen Pachtvertrag, aber der traditionsreiche Golfverein war dem Regierungschef trotzdem dankbar. Er durfte beim diesjährigen Neujahrsempfang die Gastrede halten, und Club-Präsident Roland Specker bedankte sich herzlich für Wowereits Engagement zur „langfristigen Sicherung des Pachtgrundstücks“. Der Regierungschef Wowereit bedauerte wiederum, dass der ursprünglich geplante Verkauf der Immobilie am „Faktor Neid“ gescheitert sei. Auch Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) war eingeladen, er hatte das Geschäft mit den Wannseern von Amts wegen eingefädelt.

Sportlich gesehen sind beide vom Fach. Zwar schwingt Sarrazin erst seit eineinhalb Jahren den Schläger. Aber Wowereit ist ein passionierter Freizeitspieler und bevorzugt das landschaftlich reizvolle Grün im brandenburgischen Motzen. Dem Golf & Country Club e.V. trat er schon im Oktober 1997 bei. Und hier schließt sich allmählich der Kreis. Denn das Geld für die Grundstücke, auf dem der Golfplatz Motzener See nach der Wende entstand, hatten 220 finanzkräftige Golfer zusammengelegt. Jeder Gesellschafter zahlte etwa 28 000 Euro ein, einer von ihnen war Specker, der auch als Präsident des Golfclubs Wannsee den Motzenern verbunden blieb.

Erstens als hervorragender Golfer. Specker gewann 2002 die Motzen Trophy, 2004 den „Capital Club“ Golf Cup und 2007 den IAC Golf Cup. Und zweitens als Gründungsmitglied des exklusiven Berlin Capital Club, den der Unternehmer Dieter Klostermann am 6. November 2001 am Gendarmenmarkt eröffnete. Der frisch gebackene Regierende Bürgermeister Wowereit zerschnitt damals das rote Band und ist seitdem, das Amt bringt es mit sich, gelegentlich Gast im Capital Club. Seit 1983 hat der frühere Hotelmanager Klostermann weltweit einige Dutzend solcher „Clubs der Entscheider“ etabliert und in der CCA Group vernetzt, die wiederum Teil der International Associate Clubs (IAC) ist. Dazu gehören auch noble Golfanlagen, zum Beispiel in London – und in Motzen.

Im Jahr 2000 kaufte die CCA den brandenburgischen Golfclub von der insolventen Philipp Holzmann AG. Nach Kenntnis von Insidern für 1,5 Millionen Euro. Es wurde einiges in die sanft hügelige Anlage zwischen Seen und Wäldern investiert, heute hat der Verein 603 Mitglieder, allerdings nach Brancheninformationen auch 1,7 Millionen Euro Verbindlichkeiten und kein eigenes Vermögen. Die Immobilie gehört dem Betreiber CCA. Schon vor zwei Jahren gab es Gerüchte, der Motzener Club solle verkauft werden. Doch der Interessent, die Firma Golfdom, erwies sich als betrügerisches Windei. Seit Oktober 2008 wurde wieder verhandelt: Über einen Teilverkauf an den Golf- und Landclub Wannsee. Deren Präsident Specker habe die Gespräche persönlich geführt, bestätigt Geschäftsführer Siebold.

Das Konzept: Eine neu gegründete Golfclub Motzen GmbH (GCM), am 19. Februar 2009 im Handelsregister eingetragen, übernimmt als Tochtergesellschaft des Golfclubs Wannsee 65,5 Prozent der Anteile an Motzen von der CCA. Kaufpreis: 4,7 Millionen Euro. Der bestehende Motzener Golfverein hätte sich aufgelöst, die Mitglieder wären dem neuen GCM ohne Aufnahmegebühr beigetreten. Im Gegenzug hätten die Golfer aus Wannsee ab 2010 ein gebührenfreies Spielrecht in Motzen erhalten. Zudem sollte in Motzen ein Leistungszentrum für die Jugendarbeit und Bundesligamannschaften aus Wannsee entstehen. Über höhere Beiträge, aber vor allem über einen starken Mitgliederzuwachs sollte der Kauf refinanziert werden.

Am 20. Februar wurde ein entsprechender Vorvertrag unterschrieben. Speckers letzte große Amtshandlung. Nach zehn Jahren Club-Präsidentschaft gab er das Ehrenamt anschließend auf. Aber es war kein krönender Abschluss, weil sich in beiden Clubs viele Mitglieder gegen die Zwangsfusion erfolgreich wehrten. In der letzten Woche, so Siebold, habe der Vertragspartner CCA deshalb vorgeschlagen, „es nicht zu machen“. Damit ist die Expansion des Golf- und Landclubs, der seit 1925 in Wannsee sitzt, vorerst gestoppt.

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