Berlin : Millionenschaden am Hauptbahnhof

Bahn will Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen – nur wen? Station soll jetzt sturmsicher sein. Risse im Glasdach sind angeblich alt

Klaus Kurpjuweit

Der Absturz eines dekorativen Trägers am Hauptbahnhof hat nach Angaben der Bahn AG einen Schaden in Millionenhöhe verursacht. Beim Absturz während des Orkans Kyrill waren in der Nacht zu Freitag zwei weitere Träger an der Stahlkonstruktion vor der Fassade der Bürogebäude beschädigt worden, die entfernt werden mussten. Keine Gefahr gehe hingegen von Rissen aus, die an einigen wenigen Stellen das Glasdach durchziehen. Diese seien während der Bauphase entstanden, hieß es bei der Bahn. Alle Schäden würden nach und nach beseitigt. Die nach dem Absturz vorgenommenen Sicherungsarbeiten sollten am Montagabend so weit abgeschlossen werden, dass weitere Schließungen bei Sturm nicht mehr erforderlich seien, teilte die Bahn gestern mit.

Zusätzlich zum materiellen Schaden habe das Unternehmen einen großen Imageschaden erlitten, sagte gestern der Vorstandsvorsitzende des Bereichs Station & Service der Bahn, Wolf Dieter Siebert. Die Bahn werde die Schuldigen rechtlich und finanziell zur Verantwortung ziehen. Wer dafür in Frage kommt, ist völlig offen. Alle Beteiligen betonten bisher nur, sie seien für den Absturz nicht verantwortlich.

An dem Gebäude sind rund 100 Querträger der fachwerkartigen Stahlkonstruktion vor der Glasfassade der sogenannten Bügelbauten nicht verschraubt oder verschweißt worden. Sie lagern „schwimmend“ auf kleinen Auflagen und sollten durch ihr Eigengewicht von etwa zwei Tonnen absturzsicher sein.

Tagesspiegel-Informationen, wonach es in der Planungsphase Bedenken gegen diese Konstruktion gab, hatte die Bahn AG innerhalb weniger Stunden zurückgewiesen. Dabei waren an der jahrelangen Planung hunderte von Personen beteiligt. Einer bezeichnete das Dementi als „unüberlegten Schnellschuss“. Selbstverständlich habe man sich Gedanken darüber gemacht, ob die Konstruktion sicher sei. Dabei habe es auch Stimmen für eine zusätzliche Sicherung gegeben. Am Ende sei man sich trotz der Bedenken sicher gewesen, dass die Träger auch einem Orkan standhalten würden.

Die Bahn dagegen hatte erklärt, „hinsichtlich der schwimmend gelagerten Träger gab es keinerlei Sicherheitsbedenken in der Planungsphase, im Genehmigungsverfahren, während der Bauausführung und bei der Abnahme der Bauleistung“.

Unmittelbar nach dem Unglück hatte die Bahn aber damit begonnen, die Träger zusätzlich zu sichern – wie es bereits in der Planungsphase von einigen Beteiligten vorgeschlagen worden war. Besonders gefährdet sind die Fassadenriegel der obersten Ebene. Hier sollten die Arbeiten am Montagabend abgeschlossen werden. Spätestens Ende der Woche sollen dann alle „schwimmend“ gelagerten Träger zusätzlich gesichert sein.

Die Bahn hat aber nicht nur durch die zweimalige Schließung ihres Prestigebahnhofs innerhalb weniger Tage einen Imageverlust erlitten. Auch ihre Informationspolitik war nach Angaben von Fahrgästen desaströs. Oft hätten Fahrgäste falsche Auskünfte bekommen, erklärten Fahrgastverbände. Zuletzt war der Hauptbahnhof am Sonntag für rund fünf Stunden zu. Obwohl die Bahn angekündigt hatte, bei Windstärken über 8 den Betrieb im Bahnhof einzustellen, war sie am Sonntag auch darauf nicht vorbereitet.

Zahlreiche Stimmen gab es danach, die forderten, den Bahnhof Zoo wieder zur Fernbahnstation zu machen. Zumindest bei Sperrungen sollte Zoo genutzt werden, so Christfried Tschepe vom Fahrgastverband IGEB. Doch nun soll der Hauptbahnhof sturmsicher sein.

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