Millionenschaden : Baupfusch in der BND-Zentrale

08.11.2011 11:18 UhrVon Thomas Loy
  • Spionagezentrale. Der Bürokomplex für den Bundesnachrichtendienst in Mitte ist das größte Bauvorhaben des Bundes seit Jahrzehnten. - Simulation: BND
  • Wegen Pfusch am Bau verzögert sich das Projekt. Ein Millionenschaden ist entstanden, weil eine Firma Fehler beim Einbau der Klimatechnik begangen hat. - Foto: Doris Spiekermann-Klaas
  • Die Baustelle wird streng überwacht, wie auch Passanten stets erkennen können. - Foto: dapd

Weil eine Firma Lüftungskanäle falsch montierte, stehen Mehrkosten in Millionenhöhe beim Bau der BND-Zentrale ins Haus. Das Bundesamt für Bauwesen gibt sich dennoch zuversichtlich, dass der Neubau 2014 fertig wird.

Der Neubau des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Mitte verzögert sich und wird voraussichtlich teurer. Grund ist „Pfusch am Bau“, sagte Andreas Kübler, Sprecher des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Die Klimatechnik im Hauptgebäude – zu rund einem Drittel fertiggestellt – muss wahrscheinlich wieder abgerissen werden. Dadurch entstünden „Kosten- und Terminrisiken“, sagte Kübler, „aber wir versuchen das aufzuholen“. Der Pfusch wird auf mehrere Millionen Euro beziffert.

Schuld an der Panne trifft nach Darstellung des BBR ausschließlich die mittelständische Firma, die mit der Klimatechnik beauftragt worden war.

Sie habe grundlegende Hygienevorschriften nicht beachtet, sagt Kübler. Der Firma wurde inzwischen gekündigt. Es bahnt sich ein Rechtsstreit um ausstehende Zahlungen an. Der Auftrag für die Klimatechnik muss komplett neu ausgeschrieben werden.

Konkret geht es um fehlerhaft verlegte Lüftungskanäle aus Zinkblech. An den Nahtstellen der Bauteile sei eine Dichtungsmasse „großflächig verschmiert“ worden. Im Betrieb der Anlage könnte die Masse zu einem „Nährboden für Bakterien“ werden. Außerdem habe es die Firma versäumt, Aufkleber auf der Innenseite der Kanäle zu entfernen. Die Blechteile seien zudem verschraubt und nicht – wie vorgesehen – vernietet worden. Die Spitzen der Schrauben ragten sogar ins Innere der Kanäle, erklärte Kübler.

Die Firma sei schon im Januar dieses Jahres aufgefordert worden, die Mängel zu beseitigen. Trotz mehrerer Fristsetzungen habe die Geschäftsführung aber nicht reagiert. Der Auftrag für die Klimatechnik hat ein Volumen von knapp zehn Millionen Euro.

Das Neubauvorhaben kostet insgesamt 811 Millionen Euro, nach derzeitigem Stand. Ursprünglich waren rund 750 Millionen Euro angesetzt. Ein Teil der Mehrkosten geht auf das Konto „erhöhte Sicherheitsaufwendungen“. Das Wachpersonal auf dem zehn Hektar großen Areal an der Chausseestraße musste aufgestockt werden, um die tausenden von Bauarbeitern intensiver zu kontrollieren. Die Planer waren davon ausgegangen, dass alle Bauarbeiter einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden können. Das erwies sich jedoch als realitätsfern. Wie viele Sicherheitsleute auf der Großbaustelle tätig sind, wollte Kübler nicht verraten.

Im Hauptgebäude hat inzwischen der Innenausbau begonnen. Erste „Musterbüros“ sind eingerichtet, um zu testen, ob alle Komponenten zusammenpassen. „Wir kommen gut voran“, sagt Kübler. Bis auf die Panne bei der Klimatechnik laufe alles nach Plan. Im Frühjahr 2012 soll mit der „Südbebauung“ begonnen werden, also den Gebäuden für die Spionageschule samt Internat und dem Besucherzentrum inklusive BND-Shop. Im Sommer 2014 soll das Hauptgebäude an die 4000 Mitarbeiter übergeben werden.

Im Juli dieses Jahres hatte eine andere Panne den BND-Neubau überschattet. Geklaute Geklaute Baupläne für das Logistik- und Technikzentrale im Norden des Geländes waren aufgetaucht. BND-Chef Ernst Uhrlau wiegelte jedoch ab. Es seien keine „relevanten Unterlagen“ verschwunden. Der Bau könne ohne Änderungen weitergehen.

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