Berlin : Millionenschäden durch gestohlene und gefälschte Tickets

KLAUS KURPJUWEIT

BERLIN .Bei einem Überfall auf ein Geschäft im U-Bahnhof Warschauer Straße erbeutete am Mittwoch abend ein Unbekannter Telefonkarten, BVG-Fahrscheine und -stempel.Der Täter hatte die beiden Verkäuferinnen geschlagen und gefesselt.Durch gestohlene oder gefälschte Fahrscheine und Wertmarken entstehen bei der BVG und der S-Bahn jährlich Millionenschäden.Nach Angaben aus der Polizei ist die Dunkelziffer dabei besonders hoch.Die BVG befürchtet, daß die Zahl der Fälschungen im neuen Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zunehmen wird, weil dessen Fahrscheine "den anerkannt hohen Sicherheitsstandard der BVG" nicht erreichten, was der VBB jedoch zurückweist.

Übereinstimmtend räumt man bei der BVG, dem VBB und der Polizei ein, daß das Fälschen der Fahrscheine und Wertmarken zunehmend zu einem Problem wird.Die BVG hat sich in den letzten Jahren zu den führenden Spezialisten in Deutschland gegen das Fälschen entwickelt, weil sie besonders betroffen war.Gefälscht werden dabei nicht nur die teuren Monats- und Jahreskarten; beliebt sind auch die Ausbildungstickets.Ein "Renner" war sogar die Sieben-Tage-Karte, bis auch diese die "Anti-Fälschungs-Kriterien" erhielt.

Wie diese aussehen, will man bei der BVG nicht sagen.Auf den ersten Blick können geschulte Kontrolleure Farbkopien meist sofort erkennen; schwieriger wird es bereits bei Fälschungen mit einem Tintenstrahldrucker.Echt wirken zunächst oft dagegen gedruckte Fälschungen.Sie lassen sich meist nur unter ultraviolettem Licht erkennen.

Die Fahrscheine und Wertmarken der BVG erreichen bei den Sicherheitsmerkmalen dabei nach Angaben von Fachleuten den Standard von Geldscheinen der Bundesbank.Die BVG-Expertin Regina Raetz befürchtet nun, daß der Verkehrsverbund, der am 1.April mit neuen Fahrscheinen starten soll, dieses Sicherheitsniveau nicht erreichen wird.Der Verbund setze zwar Papier mit Wasserzeichen und einen Kopierschutz ein, doch damit erreiche man nicht die bisherige Qualität.

VBB-Sprecherin Ingrid Kudirka wies dies zurück.Die Sicherheit der neuen Fahrscheine sei von den Landeskriminalämtern in Berlin und München bestätigt worden, sagte sie.

Gefälschte und gestohlene Fahrscheine und Wertmarken werden auf unterschiedliche Weise auf den Markt gebracht.Es gibt Stamm- und Zufallskunden.Besonders dreiste Verkäufer bieten ihre "Ware" sogar vor den offiziellen Verkaufsschaltern an und behaupten, sie hätten die Marke irrtümlich gekauft oder sie müßten die Stadt verlassen und hätten die Marken nun übrig.

Experten bedauern, daß bei Kontrollen keine Sachverständigen für Fälschungen dabei sind.BVG und Polizei machen, wie berichtet, zunehmend gemeinsame Schwerpunktkontrollen - sowohl in der U- und Straßenbahn als auch beim Bus.Ertappt werden dabei in der Regel Schwarzfahrer und mit Haftbefehl Gesuchte.Selten werden aber gut gemachte Fälschungen gleich erkannt.

Neue Fahrscheine, die noch niemand richtig kenne, verlockten geradezu zum Fälschen, heißt es bei der Polizei.Der Umgang damit sei jetzt auch eine Generalprobe für die Einführung des Euros.

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