Berlin : Millionenspiel

Björn Seeling

War es eine Million? Eine halbe? Nur eine viertel? Oder haben am Ende gar nur hunderttausend auf dem 17. Juni gezappelt? Die Besucherzahl der Loveparade – auferstanden aus Ruinen – wurde schon im Vorfeld analysiert wie ein Aktienkurs. Selbst gestern wurde noch bis zuletzt mit Teilnehmerzahlen jongliert. Dabei ist es doch völlig egal, ob am Ende eine Million Menschen über die Straße des 17. Juni getanzt sind. Hauptsache, sie hatten alle ihren Spaß – und die Stadt bleibt nicht auf Dreck und toten Sträuchern sitzen. Denn daran sollten wir uns erinnern: Es ist noch gar nicht so lange her, dass man den Tiergarten vor lauter Ravern nicht sah und Berlin kräftig für den vermeintliche Millionenrekord draufzahlen musste. Die Stadt kuschte vor nervensägigen Veranstaltern, weil sie ständig mit der Verlagerung der Parade nach Tel Aviv, Timbuktu oder Treuenbrietzen drohten. Wie erfreulich also, dass die neue Parade bislang nur wegen der Besucherzahlen für Gesprächsstoff sorgte. Da sollten doch selbst ein paar Hunderttausend plus oder minus nicht der Rede wert sein.

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