Minderjährige : Bis zur Bewusstlosigkeit

Die Zahl der alkoholvergifteten Jugendlichen steigt. Das belegen die jüngsten Zahlen der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung. Im Jahr 2007 wurden 82 stationär behandelt.

Betrunkene Kinder im Krankenhaus
Grafik: SenGes

BerlinEs werden immer mehr – und immer häufiger sind es Mädchen, die sich ins Koma trinken. Die jüngsten Zahlen der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung zeigen: Die Zahl der akuten Alkoholvergiftungen steigt. Insgesamt mussten im Jahr 2007 335 Kinder und Jugendliche wegen ihres akuten Vollrausches in einer Klinik behandelt werden.

Bei den Zehn- bis unter 15-Jährigen waren es 42 Jungen und ebenso viele Mädchen, die im vergangenen Jahr deshalb stationär versorgt werden mussten. Das ergibt laut Statistik eine Zunahme von 23 Prozent. Bei den etwas Älteren – den 15 bis unter 20-Jährigen – landeten 251 nach einem heftigen Gelage in der Klinik. Davon waren 119 junge Frauen. Damit ist die Zahl der weiblichen Komatrinker um 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Komatrinker vor allem aus bürgerlichem Milieu

Betrachtet man die Bezirke, aus denen die Minderjährigen kommen, so ergibt sich: Die meisten stammen aus den eher bürgerlichen Bezirken. Bei den absoluten Zahlen im Jahr 2007 sind Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf Spitzenreiter. Das zeigt sich auch, wenn man die Behandlungsfälle je 100.000 Einwohner umrechnet: Hier führt Reinickendorf, gefolgt von Steglitz-Zehlendorf, die Statistik an. Eine Erklärung dafür könnte laut Gesundheitsverwaltung sein, dass Alkohol bei wohlhabenderen Eltern für die Minderjährigen leichter verfügbar ist, sagte die Sprecherin, Marie-Luise Dittmar. Zudem, so eine Vermutung, spiele Alkohol für muslimische Jugendliche eine nicht so große Rolle. Daher liegen Bezirke mit einem hohen Migranten anteil weiter hinten.

Verglichen mit dem Bundesdurchschnitt steht Berlin jedoch ganz hinten in der Statistik: Hier ist Mecklenburg-Vorpommern Spitzenreiter. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) sagte: "Auch wenn in Berlin im Vergleich mit den anderen Bundesländern weniger Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden müssen, sind es zu viele. Viel zu leicht kommen sie trotz klarer gesetzlicher Regelungen an Alkohol ran." Sie sei deshalb mit dem Einzelhandel und dem Gaststättengewerbe im Gespräch, wie das Jugendschutzgesetz besser eingehalten werden kann. (tabu)

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