Berlin : Minderjährige Rumäninnen arbeiteten im Bordell Polizei durchsuchte Chiquita-Bar

in Alt-Moabit / Acht Festnahmen

Jörn Hasselmann

Die Jüngste im Bordell war vor zwei Monaten 15 geworden. Der Kunde bekam auf Wunsch auch eine 16- oder 17-Jährige. Die Mädchen waren aus Rumänien und wurden in einer Bar mit spanischen Namen zur Prostitution gezwungen: „Chiquita-Bar“ hieß der Laden. Chiquita heißt nicht nur die Banane, sondern bedeutet auch „die Kleinste“. Insoweit war der Name Programm – bis die Polizei am Freitag zehn Minuten nach Mitternacht die Bar in der Straße Alt-Moabit stürmte. Neben vier rumänischen Mädchen im jugendlichen Alter wurden vier Frauen aus Bulgarien und Rumänien zwischen 18 und 29 Jahren angetroffen. Keine hatte einen Pass, alle hielten sich illegal in Berlin auf. „Das spricht klar für Schleuserkriminalität“, sagte ein Beamter. Die Ermittlungen in diesem Fall hat die Spezialabteilung im Landeskriminalamt „Schlepper und Schleuser“ übernommen. Dort wird jetzt zu den Hintermännern ermittelt.

Die acht Mädchen und Frauen wurden festgenommen, von den 19 anwesenden Kunden und Barbetreibern wurden die Personalien festgestellt. Eine ebenfalls aus Osteuropa stammende Prostituierte hatte einen deutschen Pass. Die Besucher dieser Bar waren überwiegend türkischer und arabischer Nationalität, wie auch in anderen einschlägigen Etablissements in Moabit. Ein Besucher der Bar soll nach Informationen des Tagesspiegels der Polizei kürzlich den Tipp gegeben haben, dass die Mädchen aus Osteuropa dort doch recht jung seien. Bei der Durchsuchung der Parterreräume im Vorderhaus und linkem Seitenflügel wurden gestern zudem eine scharfe Schusswaffe, die nicht zugeordnet werden konnte, sowie ein Tütchen mit Rauschgift gefunden. Der Laden wurde geschlossen und versiegelt.

Die Chiquita-Bar ist weit älter als die Frauen, die dort arbeiteten. Seit mindestens 20 Jahren sei sie ein „bordellartiger Betrieb“, sagte der Leiter des zuständigen Polizeiabschnitts 33, Michael Scharnowski. Nie habe es in dieser Zeit Ärger gegeben, nie musste die Polizei einschreiten, nie gab es den Verdacht auf Minderjährige. Selbst auf seriösen Internetseiten und Kneipenführern im Internet wird die Bar mit Adresse erwähnt. „Das war die ideale Deckung“, hieß es bei der Polizei. Die richtige „Werbung“ für das Bordell erfolgte dann auf einschlägigen Internetseiten wie www.berlinintim.de . Dort heißt es: „Sexkino mit Vergnügungsmöglichkeit“.

Auch das unscheinbare Äußere der Bar in dem hübsch sanierten Altbau nahe der Gotzkowskybrücke ließ auf den ersten Blick nicht auf ein Bordell schließen. Aber auf den zweiten: Die Öffnungszeit von 21 bis 5 Uhr, die versteckt angebrachte und fernsteuerbare Videokamera im Eingang und der Hinweis „Club International“ zeigen, dass dort nicht nur Bier getrunken wurde. Die Leuchtschrift mit den geschwungenen Buchstaben sieht noch viel älter aus als 20 Jahre, wie aus den Sechzigern, und auch das Mobiliar mit Nierentischchen, Messingbullaugen und Kronleuchtern wirkt wie aus einer anderen Zeit. Wie ein Bewohner des Hauses Alt-Moabit erzählt, habe der Besitzer der Chiquita-Bar vor Monaten gewechselt. Er hatte zuvor das „Come in“ auf der anderen Straßenseite betrieben, das jetzt leer steht. „Morgens um 7 Uhr brannte dort immer noch Licht.“

„Der Trend geht seit der Wende zu Osteuropäerinnen“, sagte ein Ermittler. Mit jugendlichen Prostituierten habe es zuletzt vor mehr als zehn Jahren größeren Ärger gegeben, damals waren sie aber aus Thailand.

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