Berlin : Minimarathon: Rennen statt rechnen

Benjamin Wagener

Der Kirchplatz der Philippus-Nathanael-Gemeinde am Grazer Platz: Linden begrenzen die kleine Rasenfläche hinter dem Kirchengebäude. Die wenigen Parkbänke sind an diesem trüben Donnerstagmorgen unbesetzt. Bis auf eine Ausnahme: In eine Ecke des kleinen Areals ist eine Bank in die Mitte des Fußweges gerückt, um sie verteilt 18 Kinder, beschäftigt mit Dehnübungen und Gymastik. Und die Kommandos klingen unerbittlich: "Beide Füße in Fahrtrichtung, Beine durchdrücken, Hacken runter und Hintern raus!" Die Anweisungen, die die jungen Sportler begeistert befolgen, stammen von der Andrea Perrot. Die Sportlehrerin der benachbarten Barnim-Grundschule ist die Betreuerin von drei Kindermannschaften, die die Schule zum Mini-Marathon am kommenden Sonntag schickt.

18 der 36 Starter der Grundschule, die die dritte bis sechste Klasse besuchen, haben sich zum letzten Abschlusstrainig zusammengefunden. "Das muss schon ein bisschen hinten in den Oberschenkeln ziehen", erklärt die Pädagogin die gymnastischen Übungen und schickt die jungen Läufer auf vier weitere Runden um den Kirchplatz. Erleichtert lockern die Sportler ihre Beine und suchen sich Partner für das Laufspiel. Zusätzlich hebt es die Stimmung, dass sie für das Training vom Unterricht freigestellt wurden. Während die Klassenkameraden über Aufsätzen brüten, bereiten sich die Mitglieder der Laufmannschaften auf das Rennen vor. Auch das strengt an, aber das ist immer noch besser als büffeln, wie die elfjährige Magdalena Katryniok sagt: "Ich würde am liebsten den gesamten Unterricht gegen Sport tauschen." Der zwölfjährige Selcuk Gerstmann sieht das ähnlich: "Sport macht mehr Spaß als denken und sitzen."

Die Stimmung ist locker, Nervosität ist vor dem großen Ereignis nicht zu spüren. Kein Wunder, denn viele der 36 Starter sind nicht zum ersten Mal beim Berliner Minimarathon dabei. "Klar, war ich beim ersten Mal nervös, da wusste ich nicht, ob ich die ganze Strecke durchhalte. Aber diesmal bin ich fit und gut im Training", gibt sich die zehnjährige Dana Jacob gelassen, die schon zum dritten Mal dabei ist. Vermeiden will Nico Milicic seinen Fehler vom vergangenen Jahr. Der Zehnjährige hatte besonders im zweiten Teil der Strecke Probleme. "Nach der ersten Tränke war Schluss, da konnte ich nicht mehr. Ich bin am Anfang viel zu schnell gerannt, habe dann mit einem Freund gequatscht und deswegen Seitenstiche bekommen", erzählt Milicic. Nur Talya Yavuc ist ein wenig aufgeregt - aber nicht wegen den sportlichen Anforderungen: "Da sind so viele Leute", sagt die Elfjährige, "die werden bestimmt alle ganz genau hinschauen."

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