Berlin : Minis beim Meister

Starcellist Jan Vogler gab dem Nachwuchs Tipps

Carsten Niemann

Eigentlich ist es Jan Voglers Beruf, durch die großen Konzertsäle der Welt zu touren. Doch nun kauert der Starcellist auf dem Boden der Notenabteilung des Kulturkaufhauses Dussmann. Vor ihm sitzten drei kleine Jungs mit ¾ Celli in den Armen - und warten gespannt darauf, was Vogler zu ihrem Spiel sagen wird. „Mini-Meisterklasse“ nennt sich das neue Experiment, das Vogler erstmals mit dem Team von Dussmann durchführt. Denn warum soll man bis zum Studium warten, um sich von den ganz Großen Kniffe und Tricks abgucken zu dürfen? Doch nicht nur für die Kinder ist das Experiment spannend. Zwar hat der eloquente Vogler beim anschließenden Gesprächskonzert für die Großen eine Menge zu seinem eigenen Werdegang und nicht ganz zufällig auch zu seiner neuen CD „My Tunes“ zu erzählen. Doch welche Arbeit dahinter steckt, bis man aus dem Instrument auch nur ein aufnahmereifen Ton herausrückt, das erfahren nur diejenigen, die vorher mit den Kindern einen Blick in Voglers Werkstatt geworfen haben.

Als Erster ist der achtjährige Paul mit Vorspielen dran. Seit zweieinhalb Jahre spielt er schon Cello. „Dann hast du früher angefangen als ich“, freut sich Vogler. Selbstverständlich wie einen Teddybären hält Paul sein Cello in den Armen – so habe er es nämlich im Unterricht gelernt, verrät uns seine Mutter. Eigentlich habe Paul übrigens Geige lernen sollen – aber er weigerte sich: „Cello ist ein so schön tiefes Instrument.“ Vogler kann ihm nur beipflichten: „Geige klingt wie Mücke“, habe der große Cellist Rostropovitsch mal gesagt. „Aber“, fügt er augenzwinkernd dazu, „das bleibt unter uns.“

Dann geht die Arbeit los. Zehn Minuten Zeit hat Vogler für jeden der drei Nachwuchscellisten. Das bedeutet höchste Konzentration – nicht nur für die kleinen Meisterschüler, die Arme, Gelenke, Finger und Noten in ihrem Kopf sortieren müssen, sondern auch für den Meister selbst.

Bei Paul scheint Jan Vogler die richtige Kugel gezogen zu haben: Der Junge lächelt, als Vogler ihm rät, seinen Bogen „wie einen Apfel“ zu greifen. Und er weiß auch, wie man verhindert, sich beim Üben zu überfordern: „Spiele das Stück mehrmals hintereinander und achte dabei jedes Mal auf etwas anderes. Das erste Mal denkst du an den Rhythmus, das zweite Mal daran, dass die Töne sauber sind. Und beim letzten Mal,“ sagt Vogler „denkst du an - gar nichts mehr.“ Denn das Wichtigste ist, das Stück mit Spaß zu spielen!“

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