Berlin : Minister freut sich vor der Ila: Alles rechtzeitig fertig

Brandenburgs Linken-Politiker Christoffers versteht aber auch, dass seine Partei den militärischen Teil der Flugschau ablehnt.

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Modellpflege.
Modellpflege.Foto: dapd

Potsdam -Es gibt sie noch, gute Nachrichten in Zeiten des Debakels um Deutschlands Hauptstadt-Flughafen, der vor den Toren Berlins nicht fertig wird: Gleich mehrere verkündete Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) am Mittwoch in Potsdam auf einer lange geplanten und von der jüngsten BER-Hiobsbotschaft überschatteten Pressekonferenz zur Internationalen Luftfahrtsausstellung 2012 (Ila), die kommende Woche erstmals auf dem neuen Messegelände westlich des neuen Flughafens in Selchow stattfinden kann – planmäßig. „Wir sind im Budget geblieben. Und wir sind rechtzeitig fertig geworden“, sagte Christoffers. Und er zeigte sich erleichtert, dass die mehrfache Verschiebung der Airport-Eröffnung keine spürbaren Auswirkungen auf die diesjährige Ila hat, obwohl diese ursprünglich bereits vom Sog eines am 3. Juni 2012 eröffneten „modernsten Flughafen Europas“ profitieren sollte. Dass es anders kam, sei ein „Imageschaden für die Region“, was „niemand bestreitet“, sagte Christoffers, der selbst im Flughafenaufsichtsrat sitzt. Trotzdem ficht es die internationale und nationale Branche offenbar kaum an, dass dem für die Ila und weitere Messen gebauten neuen „Berlin Expo Center Airport“ bislang der Flughafen fehlt. Mit rund 1200 Ausstellern, 1153 waren es im Vorjahr, meldet die Ila in diesem Jahr einen neuen Rekord. Und die Veranstalter sind zuversichtlich, dass auch die Besucher wie eh und je zur Luftfahrtschau strömen.

Die Gelassenheit der Branche erklären Christoffers und Brandenburgs oberster Wirtschaftsförderer Steffen Kammradt von der Zukunftsagentur (ZAB) damit, dass es bei den auf der Ila abgewickelten Geschäften, aber auch bei Ansiedlungen im Umfeld des Flughafens um „strategische Entscheidungen“ geht, auf 10 bis 20 Jahre angelegt. Zudem, sagte Kammradt, sei die Ila auf das Terminal nicht angewiesen. Für Christoffers ist die Ila eine „Erfolgsgeschichte“. Er erinnerte daran, dass das Messegelände für 43 Millionen Euro „in kürzester Zeit“ auf dem Acker bei Selchow errichtet wurde, nachdem man gegen die Konkurrenz von anderen Standorten die Ila in der Region halten konnte.

Geblieben ist ein alter Streit, nämlich der um den militärischen Teil der Flugschau, der wie in den Vorjahren einen Anteil von rund 30 Prozent ausmacht. Präsentiert werden Kampfjets wie der Eurofighter oder die MIG 29, Hubschrauber, unbemannte Aufklärungsdrohnen. Die Bundeswehr ist größter Einzelaussteller. Doch die Militär-Ila lehnen nicht allein die Grünen, sondern auch die Linken ab, und zwar auch in Brandenburg, wo sie mitregieren und den Wirtschaftsminister stellen. In einem aktuellen Beschluss des Landesvorstandes vom Wochenende heißt es: „Die Linke ist klar und deutlich gegen den militärischen Teil der Messe.“ Christoffer äußerte Verständnis für diese Position, auch für zu erwartende Proteste. „Aber die Ila ist nur als Gesamtpaket zu bekommen.“ Er verwies aber darauf, dass der Linke-Beschluss ausdrücklich die volkswirtschaftlichen Kaufkrafteffekte der Ila von rund 360 Millionen Euro anerkenne, mit denen 4500 Jobs in der Region gesichert würden. Auf die rot-rote Regierungspraxis hat der Linke-Beschluss keine Auswirkung. Und die Imagebroschüre für den militärischen Teil der Ila 2012 mit dem Eurofighter auf dem Titel wird auch vom Land Brandenburg präsentiert. Thorsten Metzner

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