Berlin : Minister für höheren Druck auf Schüler Mehr Klassenarbeiten als

Konsequenz aus Pisa-Test

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Potsdam - Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) hat sich mit vorschnellen Ankündigungen in die Bredouille gebracht. Als jüngst märkische Neuntklässler bei einem bundesweiten Vergleich in Deutsch und Englisch miserabel abschnitten, standen für Rupprecht Ursachen und Konsequenzen fest: Man müsse „einen Schalter umlegen“, nötig sei „mehr Verbindlichkeit“, also höherer Druck durch „mehr schriftliche Kontrollen, Klassenarbeiten, obligatorische Diktate“. Die „Gewissheit“, dass die Schulen so besser werden, nehme er „aus dem Vergleich mit den Besten“, nämlich bildungsstarken Bundesländern, sagte Rupprecht damals, der heute Neuerungen für das neue Schuljahr vorstellen will.

Doch nach Tagesspiegel-Recherchen lässt sich aus einem Vergleich mit Spitzenländern der Pisa-Studie und anderen Vergleichstests gar keine Verschärfung des Kontrolldruckes rechtfertigen, was Rupprecht inzwischen auch die eigenen Experten nahezubringen versuchen und vor Negativfolgen eines „Überdrucks“ warnen. Brandenburg hinkt bei Leistungskontrollen nicht hinterher, sondern gehört zu den deutschen Spitzenreitern: Märkische Schüler müssen etwa in Deutsch schon jetzt vier bis sechs verpflichtende Klassenarbeiten pro Schuljahr (Klassen 7 bis 9) schreiben, in Mathe und Englisch sind es vier bis fünf Klassenarbeiten. Im von Rupprecht angeführten Vorbildland Sachsen sind es dagegen maximal vier Pflicht-Klassenarbeiten in Deutsch und Mathe, in Baden-Württemberg und Bayern – dort holte sich sein Staatssekretär Burkhard Jungkamp jüngst Anregungen für die rot-rote Schulpolitik – sind es nur 3 bis 4 Klassenarbeiten. Intern hatte die Ministeriumsspitze eine Verdopplung der Zahl der Klassenarbeiten vorgegeben, womit Brandenburg Spitzenreiter bei den Kontrollen wäre. Für den Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Günter Fuchs ist das ein Irrweg: „Mehr Kontrollen sorgen nicht für bessere Leistungen. Das ist Aktionismus pur.“ Und Grünen-Bildungsexpertin Marie-Luise von Halem sagt lakonisch: „Das Schwein wird nicht vom Wiegen fetter. Man muss es füttern.“ Thorsten Metzner

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