• Ministerin, Unternehmerin – und bald Ritterin? Andrea Fischer will als Frontfrau der Malteser mit dem uralten Orden ganz neue Wege gehen

Berlin : Ministerin, Unternehmerin – und bald Ritterin? Andrea Fischer will als Frontfrau der Malteser mit dem uralten Orden ganz neue Wege gehen

Elisabeth Binder

Einem Fremden die Haare schneiden? Das klingt eigentlich nicht nach einem klassischen Fall für Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer. Sie ist aber durchaus bereit, heute mal eine Ausnahme zu machen. Das hat mit ihrem neuen Engagement als Frontfrau des Malteserordens zu tun. Nachdem sie in den letzten zwei Jahren ihr Leben erfolgreich von der Spitzenpolitikerin zur Unternehmensberaterin umgebaut hat, bleibt ihr nun genug Energie für ehrenamtliches Engagement.

Die Malteser waren Andrea Fischer schon in ihrer Zeit als Ministerin positiv aufgefallen. Zuerst beeindruckte sie deren Einsatz für Migrantenmedizin. „Ich habe mich für Sozialpolitik auch immer dort besonders interessiert, wo die anderen nicht hingucken.“ Beim 900-jährigen Jubiläum der Organisation sollte sie eine Rede halten. Eigentlich hatte sie eine ziemlich steife Honoratiorenveranstaltung erwartet. Aber dann waren da lauter nette, engagierte Jugendliche.

Der katholische Malteserorden geht zurück auf die Zeit der Kreuzzüge. 1099 begann die Arbeit mit der Betreuung von Pilgern und Kranken in Jerusalem. Die Ritterinnen und Ritter des Ordens stammen in der Regel aus altadeligen Familien, deren Vorfahren damals schon dabei waren. Heute können aber auch Bürgerliche aufgrund ihrer Verdienste um den Orden zu Rittern berufen werden. Seit 1956 gibt es den Malteser Hilfsdienst, der als Unterorganisation der Caritas gegründet wurde. Er steht unter der Obhut des Ordens.

„Die kümmern sich um die Freiwilligen, bilden sie aus, wissen auch, dass deren Zeit nicht unbegrenzt ist“, beschreibt Andrea Fischer ihre Faszination mit dem modernen Ansatz des Ordens. Die Haltung der Malteser teilt die bekennende Katholikin voll und ganz. Sie beschreibt sie so: „Mir geht es gut, also habe ich auch die Pflicht, mich für andere zu engagieren.“ Zum Engagement gibt es vielfältige Möglichkeiten, beispielsweise in der Altenbetreuung, im Hospizdienst und in einem Ganztagsschulprojekt.

Die laufende Verjüngungskur der Organisation unterstützt sie voll und ganz. Eine witzige, speziell auf Jugendliche zugeschnittene Werbekampagne gehörte dazu, aber auch das wachsende Bewusstsein, dass man sich in der schönen neuen Charity-Welt anders positionieren muss: Es gilt nicht nur, für freiwillige Helfer attraktiv zu sein – auch Sponsoren müssen gewonnen werden.

Sie ist Mitglied der Grünen, aber aus der Politik hat sie sich vorerst zurückgezogen: „Das funktioniert nur ganz oder gar nicht.“ Wie in der Politik geht es darum, dass Menschen zusammen etwas erreichen. Aber bei den Maltesern gehe es viel friedlicher zur Sache, weil Konkurrenzdenken und Machtorientierung wegfielen.

Was ihr an dem Orden auch gefällt: „Die Leute sind so lebendig, denen macht das wirklich Spaß.“ Sie sind auch offen für neue Wege. „Ich kann doch gar nicht Haare schneiden“, war ihre erste Reaktion in der Vorbesprechung für das Weihnachtsfest der Obdachlosen an diesem Sonnabend. Dabei gibt es auch ein Festessen, gemeinsames Singen und gegenseitiges Vorlesen. Ganz schnell ließ sie sich überzeugen, dass es nicht um superakkurate Haarschnitte geht, „sondern darum, das wir wenigstens an einem Tag im Jahr diesen Menschen etwas Gutes tun.“

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