Berlin : Misere vor der Premiere

Im Wettstreit um die größte Aufmerksamkeit bei der Premiere von „Les Misérables“ konkurrierte Gaststar Ornella Muti mit einem Stromkabel

Matthias Oloew

Nicht genug, dass eine Premiere an sich schon eine hochspannende Angelegenheit ist. Die des Musicals „Les Misérables“ am Freitagabend war ganz besonders aufregend. Der Grund dafür: ein defektes Kabel.

Schon am Donnerstagabend, knapp 24 Stunden vor der großen Premiere mit rund 2000 geladenen Gästen, fiel die nagelneue Drehbühne im Theater des Westens aus. Ein Stromkabel war hinüber – nichts ging mehr bei der Generalprobe, die vor ausverkauftem Haus gespielt wurde. In der Pause mussten die Künstler und der eigens aus London eingeflogene Produzent der Show, Cameron Mackintosh, entscheiden: absagen oder improvisieren. Sie entschieden sich für letzteres und bekamen nach der Vorstellung viel Applaus.

Am Freitagabend war das Kabel zwar ausgewechselt, doch die Drehbühne lief immer noch nicht, wie sie sollte. Dabei ist sie bei der Show in ständigem Einsatz. So verzögerte sich der Beginn der Premiere: 19 Uhr stand in der Einladung, länger als eine Stunde dauerte es dann noch, bis es wirklich losging.

Dabei wäre ein perfekter Abend für die Stage-Holding, die das Theater des Westens jetzt betreibt, besonders wichtig gewesen. Denn mit dem Haus hat Konzernchef Joop van den Ende eines der traditionsreichsten Theater der Stadt übernommen und wollte mit der Premiere zeigen, dass der Bühne nun eine glanzvolle Zukunft bevorstehe. Entsprechend großzügig hatte er den Abend aufziehen lassen. An der Spitze der Glamourliste stand der italienische Filmstar Ornella Muti. Sie erschien in einem tief dekolletierten Glitzertop und Hose auf dem Roten Teppich – obwohl die Gastgeber auf der Einladung dem feierlichen Anlass entsprechend um Abendgarderobe gebeten hatten. Zu Muti gesellten sich Fernsehgrößen wie Sandra Maischberger oder Enie van de Mejklokjes, Berliner Prominente wie Klaus Wowereit, Eberhard Diepgen oder Udo Walz, und natürlich auch Heinz Rudolf Kunze, der den deutschen Text des Musicals geschrieben hat.

Eingeladen waren aber auch sämtliche Mitarbeiter der beiden Berliner Stage-Holding-Bühnen – neben der an der Kantstraße gehört auch die am Potsdamer Platz dazu. Da reichten die Foyers bei weitem nicht aus, es mussten Zelte her – und die stellten die Party-Macher auf den Parkplatz des benachbarten Ullrich-Supermarktes.

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