Missbrauchsprozess gegen Berliner Trainer : "Weiß nicht, was in sie gefahren ist"

Zwei ehemalige Jugendtrainer des BFC Dynamo sollen ihre Schützlinge missbraucht haben. Jetzt sagte der Fußball-Jugendleiter vor Gericht aus.

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Spaß am Spiel. Doch es gibt auch Schattenseiten im Kinderfußball. (Symbolbild)
Spaß am Spiel. Doch es gibt auch Schattenseiten im Kinderfußball. (Symbolbild)Foto: Bernd Thissen dpa/lnw

Jürgen Kayser kann es auch heute „noch nicht begreifen“. Der Fußball-Jugendleiter des BFC Dynamo Berlin sitzt im Saal D 112 des Landgerichts und „weiß immer noch nicht, was in die beiden gefahren ist“. Die beiden Angeklagten waren mal Trainer einer D-Jugendmannschaft des BFC, sie waren dabei, als in einem Hotelzimmer fünf ihrer Spieler ziemlich ekelhafte Dinge machten.

Sie hätten diese Dinge machen müssen, auf Anweisung ihrer Trainer, so lautet der Vorwurf, den die Staatsanwaltschaft am Donnerstag macht. Deshalb lautet die Anklage: „Nötigung, sexueller Missbrauch, Beleidigung.“

Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe

Die beiden Trainer, sagt Kayser, als er als Zeuge vernommen wird, hätten ihm die sogenannten Spiele im Hotelzimmer bestätigt. Das reichte für ihn, um die beiden aus dem Verein zu werfen. Aber: Was genau haben sie bestätigt? Das ist entscheidend. „Sie haben nicht bestätigt, dass sie die Initiatoren der Spiele waren“, sagt Kayser.

Die Kinder hätten die Spiele eigenständig betrieben, so lautet die Version der Trainer. Demnach hätten sie nur ihre Fürsorgepflicht verletzt, aber niemanden missbraucht oder genötigt. Fußball-Jugendleiter Kayser sagt auch, dass er nicht groß nach Details gefragt habe, die Bestätigung habe ihm für einen Rauswurf genügt. „Die haben ihre Aufsichts- und Fürsorgepflicht verletzt.“

"Niemand hat die Vorfälle erwähnt. Warum nicht?"

Allerdings gibt es für Kayser Ungereimtheiten bei diesem Fall. Warum hatte ein Jahr lang niemand über diese Vorfälle geredet, weder betroffene Kinder noch ihre Eltern? Mit dem Vater und der Mutter eines dieser Kinder habe er, Kayser, eine Stunde wegen eines sportlichen Problems allein geredet. „Da hätten die alles sagen können. Aber niemand hatte die Vorfälle erwähnt. Warum nicht?“, fragt er. Und weiß selbst keine Antwort. Er weiß nur, dass lediglich einen Monat später die beiden Trainer dann angezeigt wurden.

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