Missbrauchsskandal in Berlin-Wedding : Charité durfte Pfleger nicht entlassen

Es war ein Skandal, der bundesweit Wellen schlug. Übrig geblieben ist wenig: Der 2012 wegen eines Missbrauchsverdachtes gekündigte Pfleger muss wiedereingestellt werden. In der Charité berät man sich nun.

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Auch nach der Suspendierung eines Pflegers, der ein Mädchen sexuell missbraucht haben soll, kommt die Klinik lange nicht zur Ruhe.
Auch nach der Suspendierung eines Pflegers, der ein Mädchen sexuell missbraucht haben soll, kommt die Klinik lange nicht zur Ruhe.Foto: dapd

Als es im November 2012 hieß, an der Charité habe ein Pfleger eine Patientin missbraucht, geriet die Klinik in einen bundesweiten Skandal, der wochenlang nicht abebbte. Der Pfleger soll die 16-Jährige auf dem Weddinger Virchow-Campus im Intimbereich berührt haben. Dies hatte der Vater der Patientin dem Oberarzt der Station gesagt. Der Pfleger, seit mehr als 20 Jahren an der Charité, wurde entlassen. Vergangene Woche hat das Landesarbeitsgericht die Kündigung für rechtswidrig erklärt, es gebe keine Beweise. Der Pfleger muss wiedereingestellt werden. Er hatte den Vorwurf bestritten.

Ergebnislose Ermittlungen

Schon damals widersprach der Personalrat der Kündigung. Und das Mädchen oder ihr Vater haben sich bei den Behörden nie geäußert. Ermittlungen mussten eingestellt werden, in Justizkreisen hieß es, das Mädchen habe womöglich gelogen. Ob der Mann tatsächlich wieder in der Klinik anfängt, ist unklar. Charité und Pfleger könnten sich auf eine außergerichtliche Abfindung einigen.

„Die Entscheidungsgründe des Landesarbeitsgerichts Berlin liegen noch nicht vor. Sobald das Urteil vom Landesarbeitsgericht begründet ist, wird die Charité etwaige Rechtsmittel prüfen und das weitere Vorgehen festlegen“, sagte ein Charité-Sprecher. „Ob und wo ein Einsatz des Pflegers in der Charité aufgrund der Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Berlin erfolgen muss, wird die Charité anhand der Urteilsbegründung prüfen.“

Ex-Bundesjustizministerin Zypries prüfte

Die Charité setzte damals eine Expertenkommission unter Führung der früheren Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) zur Klärung des Vorfalls ein. Die internen Abläufe bei Bekanntwerden eines Missbrauchsverdachts sind damals überprüft worden, über solche Ereignisse soll der Klinikvorstand künftig schneller informiert werden.

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