• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Missbrauchsvorwurf : Senat verlangt Transparenz an der Charité

26.11.2012 18:02 Uhrvon und
Transparenz-Offensive: Eine Außenaufnahme der Charité.Bild vergrößern
Transparenz-Offensive: Eine Außenaufnahme der Charité. - Foto: dpa

Berlins Wissenschaftssenatorin lud die Klinikvorstände nach Pannen zum Rapport. Der Missbrauchsverdacht gegen einen Pfleger kann allerdings bisher nicht erhärtet werden - stattdessen wachsen Zweifel.

Nach einem mutmaßlichen Missbrauchsfall und der Kritik an Kommunikationspannen hat die Leitung der Charité dem Senat versprochen, die internen Abläufe neu zu organisieren. „Die Krankenhausleitung hat erklärt, dass sie die interne Kommunikation vom Kopf auf die Füße stellen wird“, sagte Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag nach einem Gespräch mit Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl und dem Ärztlichen Direktor Ulrich Frei.

Die beiden waren am Montag zu einem eineinhalbstündigen Gespräch bei Scheeres und lieferten einen Bericht zu den aktuellen Vorgängen ab. Die Klinikleitung habe „deutlich gemacht, dass sie den Ernst der Situation erkannt hat und die notwendigen Konsequenzen einleiten wird beziehungsweise schon erste Maßnahmen eingeleitet hat“, sagte Scheeres. Es sei inakzeptabel, dass die Charité-Spitze von dem kürzlich bekannt gewordenen Missbrauchsvorwurf erst Tage später erfahren habe: „Das zeigt, dass verbindliche Verfahren für solche Fälle fehlen.“

An der Universitätsklinik nahm am Montag eine externe Kommission von Fachleuten ihre Arbeit auf. Das Gremium unter Leitung der früheren Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) soll helfen, die Abläufe in der Großklinik zu verbessern. Zypries, die wegen eines verletzten Arms gerade im betroffenen Virchow-Campus behandelt wird, sagte, die Gruppe sondiere zuerst die Lage. In der Auftaktsitzung ließ sich das Gremium von der Klinikleitung über Stand und Auswirkungen des aktuellen Falls unterrichtet.

Der konkrete Missbrauchsvorwurf gegen einen seit 40 Jahren an der Charité tätigen Pfleger konnte allerdings bislang nicht erhärtet werden. „Wir ermitteln weiterhin in alle Richtungen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, auf Anfrage. Allerdings gibt es Zweifel an der Schilderung des Tathergangs. Wie berichtet, soll ein 58 Jahre alter Krankenpfleger sich am Mittwoch vorvergangener Woche an einer jugendlichen Patientin auf dem Charité-Campus in Wedding vergangen haben, als er für zwei bis drei Minuten mit ihr allein im Zimmer war. Der Mann wurde umgehend suspendiert, die 16-Jährige hatte von dem Vorfall ihren Vater unterrichtet.

Der Verdächtige soll sich schon zuvor auffällig verhalten haben – ohne dass sich Kollegen an die Klinikleitung gewandt hätten. Im aktuellen Fall soll der Beschuldigte die Jugendliche, die unter dem Einfluss von Beruhigungsmitteln stand, im Intimbereich unzulässig angefasst haben. Das hatte Helmut Schiffer, der Vize-Pflegedirektor, gesagt. Daraufhin nahm die Polizei nach Presseberichten von Amts wegen die Ermittlungen auf, wie es bei schweren Delikten vorgeschrieben ist.

Die junge Frau ist seit Verlassen der Klinik für Staatsanwaltschaft und Klinik nicht mehr erreichbar gewesen, ebenso wenig ihr Vater. Auf eine Ladung zur Zeugenvernehmung haben sie nicht reagiert. Klinikvertreter hätten der Familie vergangene Woche einen Brief von Einhäupl überbringen wollen, sie jedoch nicht erreicht, sagte ein Sprecher. Aus Justizkreisen ist nun zu hören, es bestünden Zweifel an der bisherigen Darstellung der Abläufe am Mittwoch vor knapp zwei Wochen. „Wir äußern uns zu Spekulationen nicht“, sagt dazu Staatsanwaltschaftssprecher Steltner. Man ermittle „offen und unvoreingenommen“ und arbeite „so schnell und sorgfältig wie möglich“.

In einem Personalgespräch mit Vertretern der Klinikleitung am Montag vergangener Woche hatte der Pfleger dem Vernehmen nach die Vorwürfe bestritten – zu einem Teil der Fragen äußerte er sich nicht. Eine Charité-Sprecherin wollte dazu nichts sagen.

Noch ist auch nicht geklärt, was genau dazu geführt hat, dass der 58 Jahre alte Pfleger schon 2005 und 2009 ins Gerede gekommen sein soll. Bislang ist von „Distanzlosig- und Unsittlichkeiten die Rede“. Wie berichtet, war ein Verfahren gegen ihn von 2011 schnell eingestellt worden, dem Vernehmen nach soll er zuvor eine Frau – keine jugendliche Patientin – kurz geschoben und dabei auf unzulässige Weise angefasst haben.

Die bei der Senatsverwaltung für Gesundheit angesiedelte Berliner Patientenbeauftragte Karin Stötzner sagte, angesichts der aktuellen Beweislage müsse man „sehr vorsichtig“ mit einer Bewertung des Vorgangs sein. „Es kommt vor, dass Pfleger zu Unrecht beschuldigt werden“, sagt Heike Spies, die für Krankenhäuser zuständige Sekretärin bei der Gewerkschaft Verdi. Generell sei es in diesem Bereich oft unmöglich, die Wahrheit zu ergründen, vor allem wenn es – wie in vielen solcher Fälle – keine objektiven Beweise und keine Zeugen gibt.

Der Personalratschef der 13 000 Charité-Mitarbeiter, Carsten Becker, sagte, wer eine „Arbeitskultur des Hinsehens“ wolle, müsse auch dafür sorgen, dass Beschwerden grundsätzlich ernster behandelt werden.

Sie wollen wissen, was in Berlin läuft? Gönnen Sie sich an jedem Werktag 5 Minuten Lesespaß! Geben Sie hier einfach Ihre E-Mail-Adresse an, um den Newsletter ab morgen zu erhalten.

  • Berlin to go: täglicher Newsletter
  • morgens um 6 Uhr auf Ihr Handy
  • von Chefredakteur Lorenz Maroldt
weitere Newsletter bestellen Mit freundlicher Unterstüzung von Babbel
Altersvorsorge

Altersvorsorge

Welche Vorsorge-Optionen gibt es? Und welche Maßnahmen sind wirklich sinnvoll? Präsentiert von unserem Partner CosmosDirekt klären wir offene Fragen.

Diese und weitere Informationen zum Thema Altersvorsorge finden Sie auf unserer Themenseite.

Folgen Sie unserer Berlinredaktion auf Twitter:

Tanja Buntrock:
Karin Christmann:


Robert Ide:


Sigrid Kneist:


Anke Myrrhe:


Hier twittert die Stadtleben-Redaktion des Tagesspiegels. Tipps und Trends, Themen und Termine - alles, was die Stadt bewegt:



Machen Sie mit und verlinken Sie Ihre morgendlichen Fotos mit dem Hashtag #gmberlin. Oder schicken Sie Ihre Fotos wie gewohnt an leserbilder@tagesspiegel.de! Wir freuen uns auf Ihre Bilder!


Die ersten Ergebnisse sehen Sie in unserer Fotostrecke.


Tagesspiegel lokal

Kreuzberg Blog

Berlin ist Kreuzberg. Und umgekehrt. Kaum ein anderer Berliner Bezirk wird so stark mit der Hauptstadt in Verbindung gebracht wie Kreuzberg. Was die Kreuzberger bewegt, viele Kiezgeschichten und Meinungen lesen Sie im hyperlokalen Projekt des Tagesspiegels.
Zum Kreuzberg Blog


Ku'damm-Blog

Alle reden vom neuen Aufschwung am berühmten Berliner Kurfürstendamm. Wir zeigen die Fortschritte, aber auch Schattenseiten der Entwicklung in der westlichen Innenstadt und stellen die Menschen dort vor. Machen Sie mit beim Ku'damm-Blog!
Zum Ku'damm-Blog


Pankow-Blog

Pankow boomt. Das Gebiet nördlich vom Prenzlauer Berg wächst rasant. Zu DDR-Zeiten lebten hier vor allem Diplomaten, Funktionäre und Künstler; nun kommen Familien aus dem Prenzlauer Berg hinzu. Eine interessante Mischung. Wir berichten, wie sich das alte Pankow verändert und wer es verändert. Und wir erzählen Geschichten aus der Zeit vor 1989. Die sind spannender als jeder Krimi.
Zum Pankow-Blog


Wedding Blog

Der Wedding lebt. Nur wie? Finden wir es heraus, gemeinsam. Wir: die Leser und die Journalisten des Tagesspiegels. Wir schreiben: Ein Blog über den Wedding. Den alten. Den neuen. Den guten. Den schlechten. Und den dazwischen. Früher Bezirk, bis heute Ereignis. Machen Sie mit beim Wedding Blog!
Zum Wedding Blog


Zehlendorf Blog

Zehlendorf – fein, langweilig, reich? Denkste! Wir hinterfragen gemeinsam mit Jugendlichen, Erwachsenen, Prominenten Klischees und schreiben spannende Geschichten aus dem Stadtteil: über Menschen, lokale Politik und ein Lebensgefühl mit Wasser und Wald. Schreiben Sie mit am Zehlendorf Blog!
Zum Zehlendorf Blog

Umfrage

Kirche und Senat planen Neubauten auf Friedhöfen. Sind Sie dafür?

Service

Empfehlungen bei Facebook

Nachrichten aus den Bezirken

Weitere Themen

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Veranstaltungen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden regelmäßig Salons, Vorträge und Debatten statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.
Unser HTML/CSS Widget (statisch)

Erleben sie mit tagesspiegel.de die ganz besonderen Veranstaltungen in Berlin und Umgebung. Hier können Sie sich Ihre Tickets zum Aktionspreis sichern.

Weitere Tickets...