Berlin : Mit 180 in den Tod

Raserei ist Hauptunfallursache. Polizei will mehr kontrollieren

Jörn Hasselmann

Der schnellste im vergangenen Jahr erwischte Temposünder fuhr mit Tempo 147 über den Kurt-Schumacher-Damm. Erlaubt sind dort 50. Ebenso auf dem Tempelhofer Weg in Neukölln, wo am 3. Februar zwei junge Männer mit einem 200 PS starken Audi auf rutschiger Fahrbahn ins Schleudern kamen und in einen Lastwagen rasten. Sie waren nach Schätzung der Polizei noch schneller: Etwa 180 hatten sie auf dem Tacho, als sie gegen den geparkten Laster prallten. Der Wagen wurde in zwei Teile gerissen, das Heck schleuderte 25 Meter weit auf den linken Gehweg, das Vorderteil rutschte sogar 49 Meter weit. Aus dieser Hälfte des Wagens wurde der 22-jährige Kevin F. herausgeschleudert, seine Leiche lag 39 Meter von der Unglücksstelle entfernt auf der Fahrbahn. Der Fahrer, der ebenfalls 22 Jahre alte Adrian Sch. wurde im Wrack eingeklemmt. Die Feuerwehr musste ihn herausschneiden. Am 12. Februar erlag auch er seinen Verletzungen.

„Rasen gehört immer noch zu den Hauptunfallursachen“, sagte Polizeipräsident Glietsch am Freitag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz. Im Jahr 2002 starben in Berlin 82 Menschen. Das sind 17 mehr als im Vorjahr. Dennoch ist dies immer noch der zweitniedrigste Stand nach dem Krieg. Als Gründe für den seit mehreren Jahren anhaltenden Rückgang nannte die Polizei unter anderem die Einführung von mehr Tempo-30-Zonen und ein geringeres Fahrzeug- Aufkommen

Beunruhigend ist nach Angaben der Polizei, dass 62 Prozent, nämlich 51 der 82 Getöteten, Fußgänger und Radfahrer waren – obwohl sie nur an 6,5 Prozent der 135 650 Unfälle beteiligt waren. „In diesem Jahr soll diese Zahl sinken“, kündigte Glietsch an. Insgesamt beobachtet die Polizei eine steigende Aggressivität im Straßenverkehr, wie Lutz Henning von der Verkehrspolizei gestern sagte.

Selbst vor Schulen werde gerast – und zwar auch von Müttern und Vätern, die ihre Kinder dorthin bringen wollen. Daher will die Polizei ihre 21 Lasermessgeräte in diesem Jahr verstärkt vor Schulen auf Raser richten. Im Jahr 2002 gab es 23190 Tempokontrollen, fast 5000 mehr als im Jahr zuvor. Von den gut zehn Millionen (2001: 8,4 Millionen) gemessenen Autofahrern war wieder etwa jeder zehnte zu schnell. Auch auf den Autobahnen soll in diesem Jahr das Tempolimit schärfer kontrolliert werden. Im vergangenen Jahr wurde der schnellste Fahrer dort mit Tempo 205 geblitzt, erlaubt waren 130.

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