Berlin : Mit 75 Messerstichen

Neuneinhalb Jahre Haft für Tötung eines Models

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Die Geschichte von einem tschetschenischen Killerkommando, das für den gewaltsamen Tod des Models Anna Q. verantwortlich sei, haben ihm die Richter nicht geglaubt. Nur der Angeklagte Maxim S., der frühere Freund der 22-jährigen Frau, komme als Täter in Frage, befand das Landgericht. Er habe mit „ungeheurer Brutalität“ immer wieder auf das Model Anna Q. eingestochen – mindestens 75 Mal. Zehn Monate nach dem Tod der Frau wurde der 31-jährige S. gestern zu einer Haftstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt.

„Es gibt keine Anhaltspunkte, dass die Frau Opfer eines Überfalls unbekannter Täter wurde“, so stand es für die Richter fest. Maxim S. sei im März des vergangenen Jahres bei seiner ehemaligen Freundin Anna Q. untergetaucht, weil nach einer handfesten Auseinandersetzung in einer Diskothek angeblich ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt worden war. In der Spandauer Wohnung der jungen Frau sei es zum Streit gekommen. Möglicherweise ging es dabei um die vorgetäuschte Schwangerschaft, mit der das Model einige Wochen zuvor versucht hatte, ihn an sich zu binden.

Als Anna Q. sich schließlich schminkte, um mit einer Bekannten in ein Konzert zu gehen, habe Maxim S. mit einem Messer zugestochen. „Trotz aller Gegenwehr konnte sie ihm nicht entkommen“, hieß es im Urteil. Anschließend habe S. das Opfer teilweise entkleidet und in „obszöner Stellung“ auf das Bett gelegt, um einen Sexualmord vorzutäuschen und den Verdacht auf ein angebliches Killerkommando zu lenken. Deshalb habe er sich anschließend auch selbst Verletzungen zugefügt.

Die Vielzahl von Stichen spreche für eine Beziehungstat, hieß es im Urteil. Da Maxim S. Drogen konsumiert hatte, ging das Gericht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Der aus Russland stammende Koch nahm den Schuldspruch wegen Totschlags Kaugummi kauend auf. Dass ihn die Richter als gefährlich und hochgradig kriminell bezeichneten, quittierte er mit einem abfälligen Lächeln. Er wollte einen Freispruch und wird voraussichtlich in Revision gehen. K. G.

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