Berlin : Mit 75 Stichen getötet

Ex-Freund des Models vor Gericht

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Der Täter hat immer wieder auf das 22-jährige Model eingestochen – mindestens 75 Mal. Als die Polizei eintraf, lag Anna Q. tot in der Küche. Vor ihrer Wohnungstür kauerte ein stark blutender Mann. Maxim S. sprach von einem Überfall. „Wir sind abgestochen worden“, röchelte er und brachte Tschetschenen ins Spiel, die ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hätten. Die Ermittler aber gingen bald von einem Beziehungsdrama aus. Seit gestern sitzt der 31-jährige Russe wegen Totschlags vor dem Landgericht.

Der in Moskau geborene Koch S. und die aus der Ukraine stammende Anna Q. hatten sich in einer Diskothek kennen gelernt. Sie träumte von einer gemeinsamen Zukunft mit Kindern. Er aber hatte sich bereits einige Wochen vor der Bluttat am 15. März im Spandauer Kraepelinweg mehr und mehr einer anderen Frau zugewandt. Für ihn habe es keinen Grund für einen Streit mit Anna gegeben, beteuerte Maxim S. vor Gericht. „Ich weiß zwar nicht, was wirklich geschehen ist. Ich weiß aber, dass ich es nicht getan habe“, erklärte der Angeklagte.

Nicht wegen Anna, sondern aus Angst vor einem Racheakt will sich S. in der Wohnung des Models aufgehalten haben. Tschetschenen hätten nach einer handfesten Auseinandersetzung in einer Diskothek ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. „Das habe ich gehört“, versicherte der Mann. In der Wohnung habe er Kokain und Haschisch konsumiert. Drogen und ein Schlag von hinten gegen ein Ohr seien die einzigen Details, an die er sich erinnere.

Die Version von wütenden Tschetschenen warf Zweifel auf. Das merkte auch der Angeklagte. „Ich kann mir nicht erklären, warum ich am Leben geblieben bin“, überlegte er laut. Die Staatsanwaltschaft hat darauf eine Antwort. Ihre Theorie: Maxim S. fügte sich nach der Tat selbst Stichverletzungen zu, um einen Überfall vorzutäuschen. Anschließend klingelte er bei einem Nachbarn und bat um Hilfe. Hinweise auf Tschetschenen jedenfalls gebe es nicht, sagte der zuständige Staatsanwalt. Ein solches Killerkommando hätte sich auch anders verhalten. „Das hätte einen einzigen gezielten Stich gesetzt.“ Der Prozess wird morgen fortgesetzt. K. G.

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