Berlin : Mit 77 neu im Geschäft

Ein großer Name bleibt erhalten: Ursula und Regine Kiepert eröffnen am 14. Juni ihren Buchladen

Bernd Matthies

Zum Pressegespräch hat Ursula Kiepert Rhabarberkompott gekocht. Es geht familiär zu, wenn sie zusammen mit ihrer Tochter Regine einen neuen Laden eröffnet, zumal die Sache ohnehin nicht viel Geld kosten soll. „Ich geb meine ganze Altersversorgung hier rein", sagt die 77-Jährige fröhlich. Ein hoher Einsatz, damit der Name Kiepert den Berliner Bücherfreunden erhalten bleibt. 200 Quadratmeter hat das Geschäft am Charlottenburger Steinplatz, ein Klacks gegen den berühmten Laden ihres Manns Robert Kiepert, der im vergangenen Jahr in Konkurs ging. Sie selbst war daran nie beteiligt, und das freut sie heute: „Ich bin nicht belastet, habe keine Schulden, ich hafte nicht, also musste ich das hier einfach machen." Schöne 200 Quadratmeter: Drei hohe Räume hintereinander mit Stuckdecken in Altberliner Art, kein Schaufenster, aber ein kleiner Treppenvorbau mit Kleinmosaik und Empfangstresen.

Bücher sind noch keine drin, aber das wird sich ändern bis zur Eröffnung am 14. Juni. Alles passt, und doch war alles nur ein Zufall. Robert Kiepert, dem noch zwei Buchläden in Berlin und Frankfurt/Oder gehören, suchte Büroräume. In der Hardenbergstraße stolperte er über die heruntergekommenen Räume, die das Land Berlin, der Eigentümer, seit zehn Jahren leer stehen ließ. Zusammen mit zehn ehemaligen Angestellten, die nach neun Monaten Arbeitslosigkeit wieder eine Perspektive sehen, machte sich die Familie ans Renovieren.

Ursula Kiepert kennt sich in der Branche genauso gut aus wie ihre 45-jährige Tochter. Sie selbst ist Inhaberin des Fachliteratur-Versands Eberbeck, Regine Kiepert gehört die Reisebuchhandlung Schropp. Mit diesem Wissen haben sie ihr gemeinsames Geschäft in eine Lücke maßgeschneidert: Sprachen, Geisteswissenschaften, dazu Belletristik überwiegend in Taschenbuchform - das ist alles. „Sie hat unendlich viel Energie", sagt Regine Kiepert zum nicht unbedingt altersgerechten Engagement ihrer Mutter, die es anscheinend nie gelernt hat, die Hände in den Schoß zu legen. Nach dem Krieg erste Lehrerprüfung, dann Chemie- und Physikstudium. 1956 heiratete sie, den Fachbuchversand übernahm sie 1971. Nach dem Fall der Mauer engagierte sie sich beim Neuaufbau der Brandenburger Schulen, ging dann nach Kenia und baute dort von 1993 bis 1998 eine Schulanlage auf. Regine Kiepert ist Diplom-Geographin, sie leitete neben der Buchhandlung Schropp auch die Marketingabteilung der Firma ihres Vaters und organisierte dort die bekannten Hoffeste.

Eine Wiedereröffnung? Nein, auf keinen Fall, sagen beide. „U+R Kiepert Bücher" soll einfach an die lange Tradition des Namens anknüpfen - und die Kunden natürlich auch mit den Fachkenntnissen der erfahrenen Mitarbeiterinnen locken. Die beiden Chefinnen wollen nicht selbst im Laden stehen, denn sie haben genug anderes zu tun. Wenn allerdings am 14. Juni Eröffnung ist, sind sie dabei: Ab 18 Uhr gibt es Musik und Lesungen der Autoren Sten Nadolny, Elke Schmitter und Jens Sparschuh. Und vielleicht noch einmal Rhabarberkompott.

Hardenbergstraße 9a, Charlottenburg, ab 14. Juni tägl. 10-20, sonnabends bis 16 Uhr

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