Berlin : Mit breiten Schultern gegen Rassismus

Sonntag haben die Footballer von Berlin Thunder ihr letztes Heimspiel. Renate Künast ist Fan der Truppe

Ingo Wolff

Es ist ein kleines Stück Amerika in Berlin: Football, die amerikanischste aller Sportarten, hat sich hier eine neue Heimat gesucht und – zumindest sportlich – erfolgreich gefunden. Das Team von Berlin Thunder hat in sieben Jahren seit der Gründung dreimal den Titel in der europäischen Liga gewonnen. Im letzten Heimspiel in der Saison am Sonntag strebt Thunder gegen Köln den elften Heimsieg in Serie an. Damit wollen sich die Spieler, die bereits das Finale der Liga am 11. Juni in Düsseldorf erreicht haben, von ihren Fans verabschieden. Unter den mehr als 15000 Fans im Olympiastadion wird auch Renate Künast sein. Die Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft ist ein Fan der Footballer und hat auch schon mit den breitschultrigen Kerlen trainiert. „American Football ist ein unheimlich kraftvoller Sport“, begeistert sich Renate Künast: „Zugleich ist viel Verständnis für die genau einstudierten Spielzüge und vor allem Schnelligkeit gefragt, denn die Punkte werden von den schnellen und sehr wendigen Angreifern gemacht, nicht von den Kraftpaketen in der Verteidigung. Das Größte ist natürlich der gelungene Sololauf um alle Verteidiger herum bis zum Touchdown.“

Doch während Football in Frankfurt und Düsseldorf Woche für Woche 30000 Zuschauer anzieht, kommt der Sport bei den Berliner Zuschauern nicht so richtig an. Auch am Sonntag wird das Olympiastadion längst nicht ausverkauft sein. Renate Künast würde das gerne ändern. „Ich höre schon den Einwand, was denn ein amerikanischer Sport in Berlin zu suchen hat, wo denn die historischen Wurzeln in Berlin liegen sollen. Doch: Berlin ist Deutschlands internationales Aushängeschild und ist in sportlicher Hinsicht auch mit Sportarten erfolgreich, die nicht in Berlin erfunden wurden.“

Die Bundesministerin, die in Berlin unter anderem Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus war, sieht nicht nur den Sport. „Ich mag an Thunder, dass es sich hier nicht nur um ein sportliches Unternehmen handelt. Berlin Thunder setzt Zeichen für Toleranz und Miteinander, Gewalt ist beim American Football ein Fremdwort. Durch Aktionen wie die Kalender-Kooperation mit der Initiative Gesicht Zeigen (Gegen rechte Gewalt) oder Aktionen gegen Intoleranz und Rechtsextremismus hat das Team auf sich aufmerksam gemacht. Auch beim Christopher Street Day zeigen die Jungs Flagge und engagieren sich gegen Gewalt gegen Homosexuelle.“

Das Thunder-Team beziehe klare Positionen gegen Rassismus und Gewalt, sagt Renate Künast. Sie verweist außerdem auf die Fernseh-Übertragungen der Spiele in die USA und in Europa. Damit werde ein positives Bild von Berlin transportiert und die Stadt als weltoffene und positive Metropole dargestellt. „Genügend Gründe, die Jungs von Berlin Thunder zu unterstützen.“

Berlin Thunder gegen Cologne Centurions, Sonntag, 16.00 Uhr, Olympiastadion

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