Berlin : Mit Brief und Siegel

In Dortmund ist der Qualitätstest für Taxen Standard – in Berlin streiten die Unternehmer noch

Sabine Beikler

Es ist ein Teufelskreis: Die Geschäfte der Taxiunternehmer laufen immer schlechter, die Umsatzeinbußen liegen bei bis zu 30 Prozent. Um die Wagen rund um die Uhr im Einsatz zu halten, werden immer mehr ortsunkundige Fahrer eingesetzt. Unter der schlechten Stimmung leidet vor allem der Kunde. Die Qualität sinkt: Ruppiger Ton, müffelnde Taxen, ungepflegte Fahrer, von Beulen übersäte Autos… Dass die Mängelliste lang ist, wissen auch die Berliner Taxi-Organisationen, die Taxi-Innung, der Taxi-Verband und die Taxi-Vereinigung. Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) bemühen sich die Branchen-Vertretungen um einen gemeinsamen Nenner: Es geht um die Einführung eines amtlichen Gütesiegels für Taxen.

Taxi-Innung und Taxi-Vereinigung sind dafür, doch der Taxi-Verband und einige der vier Berliner Funkgesellschaften zögern. „Welche Kriterien gibt es? Und wie soll das in der Praxis kontrolliert werden?“, gibt Manfred Günther vom Taxi-Verband zu bedenken.

Die Skepsis gegenüber dem Gütesiegel kennt Dieter Zillmann, Vizepräsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes. Zillmann ist selbst Taxi-Unternehmer und hat entgegen heftiger Widerstände seiner Kollegen im November 2003 in Dortmund das bundesweit erste amtliche Gütezeichen für Taxen eingeführt: das Qualitätssiegel „Plus Taxi“.

„Die Fahrten wurden rückläufig. Wir mussten gegensteuern“, sagt Zillmann. Von rund 700 Dortmunder Taxen fahren inzwischen gut 360 mit dem von der Dekra ausgegebenen, gelb-schwarzen Güte-Siegel an der Frontscheibe. Die Dekra prüft die Taxen nach einem Leistungskatalog: Das Fahrzeug muss unter anderem frei von erkennbaren äußeren Schäden sein, innen und außen gut gepflegt wirken und soll Kreditkartenleser, Regenschirm oder Kindersitze mitführen. Das wird auch nach Ausgabe der Plakette in Dortmund stichprobenartig überprüft. Außerdem muss sich der Fahrer einem eintägigen Kurs mit anschließender Prüfung bei der Dekra-Akademie unterziehen. Abgefragt werden unter anderem Tarif- und Ortskenntnisse sowie Grundlagen der deutschen Sprache. Dass die Fahrer gepflegt sein müssen, ist in der Taxi-Ordnung vorgeschrieben. Bei erfolgreicher Kursteilnahme erhält der Fahrer einen Servicefahrausweis.

In Berlin soll die Taxen-Ordnung nach der Sommerpause geändert werden: Dann muss jeder Fahrer ein Lichtbild mit Namen im Wagen haben. Die Senatswirtschaftsverwaltung hätte gegen ein amtliches Zertifikat nichts einzuwenden, doch erwartet man eine Initiative von den Standesorganisationen. Norbert Bleckmann von der Taxi-Vereinigung hat bereits angekündigt, dass man das Gütesiegel auch im Alleingang einführen werde, sollten „wir uns bis Ende des Jahres nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen“. Dann wären rund 400 der 6500 Berliner Taxen amtlich geprüft.

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