Berlin : Mit dem Alien zur Schule

Heute werden in Berlin 25 000 Kinder eingeschult. Einer davon ist Jonas. Wir besuchten ihn am Tag davor

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Jonas (7) und Timon (4) sind Ameisen, und als solche haben sie es nicht leicht. Ständig müssen sie auf der Hut sein vor den zwei Ameisenfressern, die sich in ihrem Kinderzimmer versteckt haben. Aber Jonas hat eine hilfreiche Erfindung gemacht: einen Ameisenbau aus Matratzen und Decken. Da können die Ameisenfresser sie nicht finden. Den Bauplan dazu hat er an seinem neuen Schreibtisch im Esszimmer gemalt. „Manchmal hilft mir der Timon, wenn ich was erfinde, aber manchmal stört er auch“, sagt Jonas. Wie soll das erst mit den Hausaufgaben werden?

Heute wird Jonas eingeschult, ab Montag wird er in die 5. Grundschule in der Christburger Straße in Prenzlauer Berg gehen. Was ihn dort erwartet? Keine Ahnung. Zwar hat er seine Klassenlehrerin schon am Tag der offenen Tür kennen gelernt, aber ob die nett ist, das kann er noch nicht sagen. Hoffentlich ist sie’s, denn bei ihr hat Jonas alle Fächer, bis auf Sport. „Sport hab ich bei der Schulleiterin.“ Jonas kann schon eine ganze Menge. Schwimmen zum Beispiel: Brust, Kraulen, auf dem Rücken und unter Wasser. Und zählen. Gerade holt er seine Schatztruhe aus der verschlossenen Schreibtisch-Schublade, darin liegt Geld: fünfzig, fünfundfünzig, sechsund . . . , nein sechzig. 145 Euro hat Jonas zu seinem Geburtstag vor einigen Tagen bekommen. „Davon kann ich schon eine kleine Reise machen“, sagt er. Am liebsten nach Madeira oder Schleswig-Holstein, ins „Legoland“. „Da gibt’s eine Drachenbahn, mit der bin ich vier Mal gefahren“, sagt Jonas. „Ich auch“, sagt Vater Matthias Kunert und guckt etwas mitgenommen. Auf dem Schatzkästchen klebt ein funkelnder Smiley. „Das bedeutet, dass es wichtig ist.“ Auf Jonas’ nagelneuem Fußball kleben drei der leuchtenden Punkte. Außerdem mag Jonas Aliens, Ufos und Raumschiffe. Die sind natürlich auch auf seinem blauen Schulranzen und auf der Federtasche. Merkwürdigerweise fliegt zwischen den ganzen Dingen eine Banane rum. „Die muss von einem tropischen Planeten gefallen sein.“ Nach der Einschulungsfeier heute geht’s in den Marzahner Park, zum Picknick mit ganz vielen Verwandten.

Ein wenig traurig ist Jonas, weil sein bester Freund auf eine andere Schule kommt. „Dann treffen wir uns eben nachmittags.“ Letzte Woche hat er schon bei ihm übernachtet. Die ganze Nacht haben sie gequatscht, sagt der Vater. „Über alles Mögliche“, sagt Jonas. Und warum steht der Schreibtisch im Esszimmer? Nun ja, das Kinderzimmer teilen sich ein zukünftiger Eisenbahner (Timon) und ein aktiver Erfinder (Jonas). Für den Schreibtisch war da kein Platz. akl

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