Berlin : Mit dem Badeschiff nach Venedig

„Wandelbare Städte“ sind das Thema der Architekturbiennale – ein deutscher Beitrag kommt aus Berlin

Matthias Oloew

Als die Nachricht kam, konnte er kurz durchatmen. „Ich war nicht sicher, dass wir den Admiralspalast schaffen, ob wir das Open-Air-Festival Pop-Kick zur Fußball-WM gestemmt kriegen“, erinnert sich Falk Walter, „und da wirkte die Nachricht wie eine Bestätigung, dass es sich lohnt, so weiterzumachen.“

Die Nachricht war eine Einladung nach Venedig. Falk Walter und sein Architektenteam um Gil Wilk und Thomas Freiwald dürfen das Badeschiff und das Winter-Badeschiff als Teil der Ausstellung im Deutschen Pavillon auf der Architektur-Biennale präsentieren. Am heutigen Freitag geht es los.

Das Berliner Architektenduo Almut Ernst und Armand Grüntuch hat den Deutschen Pavillon gestaltet. „Das Thema sind wandelbare Städte“, erklärt Thomas Freiwald, „gesucht waren Ideen, die eine neue Qualität in den Stadtraum bringen.“ Das Badeschiff, mit dem das einst verlassene Spreeufer an der Arena wieder belebt wurde, war so eine Idee.

Aber eine, von der Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) zunächst nicht begeistert war. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ist für das Schiff zuständig, weil die Spree hier zu diesem Bezirk gehört – während das Ufer Treptower Boden ist. „Das Badeschiff war in jeder Hinsicht etwas völlig Neues“, erinnert sich Schulz, „auf so etwas reagiert die Verwaltung reflexartig erst einmal mit Bedenken.“

Vor allem mit dem Winter-Badeschiff hatte er Probleme, nannte den Entwurf eine „Plastikwurst“. „Das fiel mir ein, als ich die ersten Simulationen auf meinem Schreibtisch hatte“, erzählt er: „Das war eine Hülle, die auch noch bräunlich aussah. Das wirkte abschreckend.“

Trotzdem hat er sich überzeugen lassen, und sich die mobilen Elemente, die im Winter auf das Schiff gestellt werden und die die Plastikhülle tragen, in der Werkstatt der Arena angeschaut. Schulz’ Eindruck war dann ein ganz anderer. Und er fühlte sich bestätigt in einer Ansicht, die er so beschreibt: „Simulationsbilder lügen notorisch. Dafür macht man sie ja.“ Jetzt ist auch er ein bisschen stolz auf den architektonischen Ritterschlag für das Badeschiff. „Es ist das erste Projekt, das ich genehmigt habe und das auf der Biennale ausgestellt wird.“

Hätten sich die Planer von Schulz’ erstem Nein abschrecken lassen, gäbe es zumindest das Winter-Badeschiff heute nicht. Aber Falk Walter weiß, mit solchen Situationen umzugehen. Denn Ämter sagen oft Nein zu seinen Vorschlägen. „Ein Nein ist für mich eine Kontrolle meiner eigenen Idee“, sagt er. Und weiter: „Wenn wir uns durch die Neins bei unseren Projekten hätten abschrecken lassen, würde es das Ganze nicht geben.“ Damit meint er nicht nur das Badeschiff, sondern auch die Arena.

Für die Architekten könnte sich das Badeschiff nun auszahlen. „Bisher ist es so, dass noch nicht super viele Anfragen hereinkommen“, sagt Freiwald. Walter winkt ab: „Das soll auch so bleiben“, sagt er scherzhaft, „wir wollen Sie ja weiter beschäftigen.“ Das nächste Projekt ist schon fest verabredet: Vor der Arena soll eine Marina entstehen, mit schwimmenden Bars und Terrassen.

Stadtrat Schulz hat keine Bedenken.

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