Mit dem Fahrrad durch den alten Brauereibezirk Wedding : Nächste Ausfahrt Biergarten

Was liegt eigentlich hinter dem Tunnel? Fragten sich vor sechs Jahren ein paar Prenzlauer Berger und starteten Fahrradtouren in den benachbarten Stadtteil. "Nächste Ausfahrt Wedding" - unterwegs auf zwei Rädern auf den Spuren des alten Brauereibezirks.

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Nächste Ausfahrt Wedding: Die Teilnehmer der "Bier"-Tour auf großer Fahrt
Nächste Ausfahrt Wedding: Die Teilnehmer der "Bier"-Tour auf großer FahrtFoto: Vincent Schlenner

„Habt ihr Durst?“, fragt der Mann mit der roten Baseball-Kappe. „Wollt ihr mal probieren?“ Die Antwort kommt einstimmig. Eine rhetorische Frage ist das ja im Grunde gewesen, der Mann mit der roten Kappe weiß das, die Gruppe ist schon mehr als zwei Stunden unterwegs, auf Fahrrädern, und jetzt schart sie sich hier in diesem stickigen gekachelten Labor um die glänzende Zapfanlage wie eine Herde ausgedörrter Kühe um die Tränke.

Der Mann mit der Kappe heißt Kurt Marshal, „Kurt wie Schumacher, Marshal wie der Plan“, so sagt er das auf Deutsch mit nur noch minimalem amerikanischem Rest-Einschlag nach 20 Jahren Hamburg und Berlin. Schumacher und Plan, schöne Herleitung, weil es so gut passt: Der US-Entwicklungshelfer in Sachen deutsches Arbeitergetränk.

So weit ist es schon gekommen mit dem Wedding. Hier, wo vor gut 100 Jahren noch acht Brauereien das Bier hektoliterweise produzierten, muss nun sogar ein Mann aus dem Land des schalen Budweiser kommen, um, in den alten Räumen der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei an der Seestraße, unserem liebsten Gerstengetränk auf den Grund zu gehen.

Stadtsafari: Die Weddinger Uferstudios
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11.07.2013 16:11Lust auf die Touren unser Stadtsafari - aber leider den gedruckten Tagesspiegel verpasst? Kein Problem. Mit unserer App können Sie...

„Warum Bier? Warum nicht?“, bügelt Marshal die Frage nach dem Was-machen-Sie-hier-eigentlich lässig weg. Warum nicht? Hat er natürlich auch wieder vollkommen Recht.

Fangen wir also lieber noch mal vorne an.

Lust auf den unbekannten Nachbarn namens Wedding

Ein paar Stunden früher an diesem warmen Samstagnachmittag: 13 Menschen haben sich mit ihren Fahrrädern auf der Rückseite des Pfefferbergs eingefunden. Ziel: sich die Brauereikultur des Berliner Nordens zu erradeln. Oder das, was von ihr übrig ist. Was in Prenzlauer Berg immerhin noch in alten Mauern neu verwendet wird, Pfefferberg, Königstadt, Kulturbrauerei, ist im Wedding kaum noch zu sehen. Hier, wo man der Geschichte lieber mit dem Bulldozer zu Leibe rückt, ist kaum mehr als eine bröckelnde Brandwand und dem dazugehörigen Groterjan-Gebäude an der Prinzenallee übrig. „Was trinken wir? Schultheiss Bier“, so lautet der simple Zweisatz, der gerade noch so und bald vielleicht gar nicht mehr zu erkennen ist.

Tanja Kapp und Lothar Gröschel haben die "Nächste Ausfahrt Wedding" gegründet
Tanja Kapp und Lothar Gröschel haben die "Nächste Ausfahrt Wedding" gegründetFoto: Mike Wolff

„Nächste Ausfahrt Wedding“, unter diesem Motto steht die Tour, die man für sieben Euro, ermäßigt fünf, buchen konnte. Dass sie im Prenzlauer Berg beginnt und im Wedding endet, ist in diesem Fall zwar dem Sujet geschuldet, passt aber gut zur Grundidee. Denn erfunden wurde die „Nächste Ausfahrt“ vor sechs Jahren von Lothar Gröschel und Tanja Kapp, zwei Bewohnern des schicken Gleimviertels am Mauerpark, die sich fragten, was eigentlich hinter dem dunkel-modrigen Tunnel am Ende ihrer Straße liegen mochte. Ein anderer Stadtteil etwa? So begannen die Ausfahrten, als Lust am Entdecken des unbekannten Nachbarn namens Wedding.

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