Berlin : Mit dem Fahrradwagen an die Ostsee

Bahn testet umgebauten Doppelstockwagen, in dem 36 Räder Platz haben

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Die Bahn geht gegen das oftmalige Chaos bei der Fahrradmitnahme in ihren Regionalzügen vor: Gestern präsentierte sie ihren ersten umgebauten Fahrradwagen: Der Doppelstockwagen hat im unteren Bereich Platz für 36 Räder, die an Halterungen befestigt werden können. In der oberen Etage gibt es Sitzplätze. In die Mehrzweckabteile der normalen Waggons passen nur etwa 20 Fahrräder, die dort bei großem Andrang oftmals dicht neben- oder auch übereinander gestapelt werden. Besonders beim Aussteigen unterwegs kann dies zu Komplikationen und langen Wartezeiten führen.

Der Fahrradwagen ist eine Idee von Bahnchef Hartmut Mehdorn. Gebaut hat ihn die Werkstatt in Wittenberge. Rund 150 000 Euro hat der Umbau des Doppelstockwagens einer älteren Generation nach Angaben von Peter Buchner, dem Regionalbereichsleiter der Bahn, gekostet. Bei einem Serienbau könne man den Preis sicherlich auf unter 100 000 Euro drücken.

Weitere Umbauten will die Bahn aber nicht selbst finanzieren. Hier müssten sich die Länder, die den Nahverkehr bestellen, beteiligen, sagte Buchner. Geld dafür dürfte es jedoch demnächst kaum geben. Für die kommenden Jahre hat der Bund den Ländern die Zuschüsse für den Nahverkehr gekürzt, so dass Leistungen gestrichen werden müssen. Berlin hat es allerdings geschafft, das Defizit durch den Landeshaushalt auszugleichen. Für zusätzliche Zahlungen gibt es allerdings auch beim Senat kaum einen Spielraum.

Die Bahn testet den Musterfahrradwagen nun an den Wochenenden auf der RE 3 Richtung Stralsund und Usedom. Der Wagen kommt zusätzlich an den Zug, so dass sich die Gesamtzahl der Sitzplätze nicht verringert, sondern durch die Plätze im Oberdeck sogar noch erhöht. Weil in Rangsdorf südlich von Berlin der Bahnsteig für die längeren Züge nicht ausreicht, bleibt der letzte Wagen auf dem Südabschnitt bis Berlin verschlossen.

Der Fahrradbeauftragte des Senats, Benno Koch, verwies darauf, dass rund ein Drittel der Berliner mindestens einmal im Jahr mit dem Rad ins Umland fahren. Durch den Fahrradwagen könne die Bahn jetzt noch attraktiver werden. kt

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