Berlin : Mit dem Hammer ins Arbeitsamt Polizei nahm Erwerbslosen nach Rangelei fest.

Angriffe und Pöbeleien nehmen zu

Mit einem umgehängten Zimmermannshammer kam Vasco D. am letzten Öffnungstag vor Weihnachten ins Arbeitsamt Süd an der Sonnenallee. Er setzte sich ins Wartezimmer und spielte mit dem Werkzeug herum. Das machte den dort Wartenden Angst, der Wachschutz wurde informiert. Der 36-Jährige wurde aggressiv, die Polizei wurde geholt, Vasco D. wollte seinen Hammer nicht abgeben. „Dann ist das leider eskaliert“, sagte Peter Pinnow von der Geschäftsführung des Arbeitsamtes. D. brüllte, „ich will bedient werden“, ein Gerangel begann; schließlich gelang es der Polizei, den Mann zu entwaffnen. „Ein Hartz-IV-Kandidat“, bestätigte Pinnow. „Wir bedienen niemanden, der einen Hammer dabei hat“, betonte Pinnow.

Zudem habe der Afrikaner berauscht gewirkt. Der Arbeitslose wurde wegen Hausfriedensbruchs angezeigt.

Die Zahl der Angriffe und Pöbeleien ist mit Hartz IV gestiegen, hieß es bei den Berliner Arbeitsagenturen. Deshalb patroulliert jetzt Wachschutz auf den Fluren des Hauses. In den vergangenen beiden Monaten hatte es an der Sonnenallee bereits zwei Angriffe von wütenden Arbeitslosen gegeben. Im Oktober hatte ein 53-Jähriger mit einem Beil auf den Schreibtisch seiner Sachbearbeiterin geschlagen, dass die Platte sprang. Diesen Fall hatte damals die Polizei bekannt gegeben. Nicht jedoch einen zweiten, weitaus schlimmeren: Ende Oktober hatte ein junger Türke seinen Sachbearbeiter brutal verprügelt. In der Behörde hieß es dazu: „Wir melden nicht jeden Fall der Öffentlichkeit“ – um die Stimmung nicht weiter zu verschlechtern.

Mit Sorge sehen die Mitarbeiter der Arbeitsämter dem 3. Januar entgegen – denn das ist der erste Tag von Hartz IV. In der linken Szene wird seit Wochen zum Sturm auf die Arbeitsämter aufgerufen. Für 10 Uhr hat FU-Professor Peter Grottian eine Demonstration vom Leopoldplatz angemeldet und zwar in das Arbeitsamt, nicht davor. Grottian betonte gestern, dass er mit Hartz-IV-Betroffenen „die Arbeitsagentur lahm legen will“. Der Leiter des Amtes, Lutz Neumann, sagte, dass „wir normal aufmachen am 3. Januar“. Polizei und Wachschutz werden präsent sein.

Die Freie Universität erklärte gestern, dass die Angabe einer FU-Telefonnummer auf Grottians Demonstrationsaufruf „rechtlich unzulässig“ ist. Dies sagte der Sprecher des Präsidenten, Goran Krstin.

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