Berlin : Mit dem Rosinenbomber nach Bagdad

Eine Ausstellung erinnert an die Berliner Luftbrücke. Und Veteran Halvorsen will nun Süßigkeiten in den Iran fliegen

Elisabeth Binder

Sogar der sonst so offensiv moderne Regierende Bürgermeister bekannte sich diesmal ausdrücklich zum Dank an die Alliierten. „Vergangen und Vergessen? 55 Jahre Berliner Luftbrücke“ ist der Titel der Ausstellung, die gestern in der Britischen Botschaft eröffnet wurde. Sie erinnert an die Zeit zwischen Juni 1948 und September 1949, in der über zwei Millionen Menschen in West-Berlin von den Rosinenbombern der US Air Force und der Royal Air Force mit Lebensmitteln versorgt wurden. Auf 277 000 Flügen wurden während der Blockade mehr als zwei Millionen Tonnen Hilfsgüter in die Stadt transportiert. „Die dabei waren, werden das nie vergessen,“ sagte Klaus Wowereit, aber das Gefühl tiefer Dankbarkeit habe sich auch auf jüngere Generationen übertragen. Dass damals nur drei Jahre nach dem Ende des Krieges aus Siegern Schutzmächte und schließlich Freunde wurden, sei keineswegs selbstverständlich gewesen, betonte Helmut Trotnow, der Leiter des Alliierten Museums, das die Exponate zur Verfügung gestellt hatte. Die Berliner Luftbrücke sei auch deshalb ein gigantischer Erfolg gewesen, weil gemeinsam gehandelt wurde, um Freiheit und Demokratie als Grundwerte der westlichen Welt zu verteidigen. Gerade jetzt nach dem Irak-Krieg sei es besonders angebracht, an die Luftbrücke zu erinnern, die mit zur Gründung der Nato geführt hat, sagte der britische Botschafter Sir Paul Lever.

Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 17. Mai, jeweils von 13 bis 17 Uhr, nur nicht am Sonntag; jeweils zwischen 15 und 16.30 Uhr kann man sich mit Hilfe eines Flugsimulators fühlen wie der Pilot einer Hastings. Der Eintritt ist frei. Am Sonntag, dem 11. Mai, gibt es eine „Swinging-Teatime“ mit Tanz in der Botschaft. Dafür wird an der Tageskasse eine Spende in Höhe von 25 Euro an die Stiftung Luftbrückendank erwartet. Unter den Eröffnungsgästen waren auch der französische Botschafter Claude Martin und Columbia-Chef Jürgen Schau, der immer auf der Suche ist nach Souvenirs für seine Stars und sich gleich mit Luftbrückenbüchern eindeckte. Über den legendären Luftbrückenpiloten Colonel Halvorsen hieß es, dass er demnächst Süßigkeiten über Bagdad abwerfen wolle.

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