Berlin : Mit dem weißen Band der Solidarität

Am Rand des Live-8-Konzerts baten Prominente um Unterstützung für die armen Länder

Judith Jenner

Weiße Bänder und Luftballons mit dem Aufdruck „Deine Stimme gegen Armut“ flatterten gestern nicht nur an den Handgelenken vieler Besucher des Live-8-Konzerts. Auch am Brandenburger Tor selbst, direkt unter der Quadriga, hing ein Transparent. „Die Denkmalbehörde war sehr kooperativ“, lobte Herbert Grönemeyer bei einer Pressekonferenz mit Bischof Wolfgang Huber, Georg Kardinal Sterzinsky, Vertretern des Verbandes Entwicklungspolitik und des Aktionsbündnisses gegen Aids im raumschiffartigen Konferenzsaal des Axica-Tagungszentrums am Pariser Platz. Gemeinsam formulierten sie ihre Erwartungen für den G-8-Gipfel nächste Woche.

Herbert Grönemeyer ließ weder an der deutschen Politik, noch an den deutschen Medien ein gutes Haar. „In England haben wir für 4,5 Millionen Pfund Anzeigen-Platz zur Verfügung gestellt bekommen. In Deutschland gab es keine einzige Gratisanzeige und nur eine schleppende Berichterstattung.“ Hilflos, albern und gemein sei das. „Wenn man einen Sitz im UN-Sicherheitsrat anstrebt, sollte man weiter denken als von Berlin nach Magdeburg.“

Sein Engagement zum deutschen „1. Internationalen White Band Day“ erklärte der Sänger so: „Die westliche Welt hat die Entwicklungsländer in den vergangenen 200 bis 300 Jahren ausgebeutet. Jetzt wollen wir etwas zurückgeben.“ Ihm sei bewusst, dass er nicht die Welt ändern werde. „Wir können nur trommeln und den Politikern beim G-8-Gipfel das Gefühl geben ,We are watching you’“.

Genau beobachten, was die Politiker in Edinburgh entscheiden, werden auch Teilnehmer des „Long Walk To Justice“. Sie starten in weißer Kleidung heute ab 10 Uhr an der Siegessäule in Richtung Ernst-Reuter-Platz. „Von dort aus werden sich einige der Besucher in Bussen und Privatautos auf den Weg nach Schottland machen“, sagt Jaka Bizilj, der unter anderem die Veranstaltung „Cinema for Peace“ organisiert.

Als prominenten Fürsprecher haben sich die Veranstalter des „Long Walk Of Jusitice“ Tim Robbins, Schauspieler und Freund Bob Geldofs, ins Adlon eingeladen. „Es kann nicht sein, dass die Ressourcen der armen Länder ausgebeutet werden“, sagte er. „Es muss endlich fairen Handel geben.“ Bei der Berlinale hatte er bei der „Cinema for Peace“-Gala bereits eine flammende Rede gehalten.

Dabei sollen bei der heutigen Demo an vier „Speakers Corners“ in erster Linie die „einfachen Leute“ zu Wort kommen. Aktionsbündnisse wie die Globalisierungsgegner von Attac werden Reden halten. „Ein bisschen Love-Parade-Feeling“, so Veranstalter Ralf Schmerberg, wird DJ Tomekk verbreiten, der ab 11 Uhr an der Siegessäule auflegt. Ab 11.30Uhr setzt sich der Zug in Bewegung.

Gesäumt wird die Demo von einem eineinhalb Kilometer langen weißen Band mit 200 000 Unterschriften. 1000 Bettlaken wurden hierfür in Wetzlar zusammengenäht, auf denen die Teilnehmer gegen Armut und Ungerechtigkeit unterschreiben können. So wie Model Claudia Schiffer, die im Beisein Grönemeyers am Brandenburger Tor unterzeichnete.

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