Berlin : Mit dem zweiten wird man besser

Joana Zimmer hat ein neues Album aufgenommen. Damit könnte sie den Erfolg ihres Debüts noch toppen

Nana Heymann

Als Joana Zimmer im vergangenen Jahr ausgewählten Medienvertretern ihr Debütalbum „My Innermost“ vorstellte, wählte sie dafür einen ungewöhnlichen Ort: das Dunkelrestaurant in der Gormannstraße in Mitte, in dem Gäste in absoluter Finsternis dinieren können. Um einen Eindruck zu bekommen, wie das so ist, wenn man nichts sieht und nur auf die anderen Sinne angewiesen ist.

Die Sängerin stellte sich also auf die Bühne, sie spielte eingängige Soulballaden und schnellere Popnummern, eine gute halbe Stunde lang, bis die Gäste vor Begeisterung jubelten. Das Gefühl, allein durch ihre Stimme zu beeindrucken, freute sie. Weil die Damen und Herren eben nicht von Äußerlichkeiten abgelenkt waren, und es auch keiner Bühnenshow bedurfte, um sie gut zu unterhalten. Die Dunkelheit vermittelte der Künstlerin Sicherheit, weil sie wusste: Jetzt geht es meinen Zuhörern wie mir. Joana Zimmer ist von Geburt an blind.

Nun, gut anderthalb Jahre später, erscheint das zweite Album der Berlinerin, es trägt den Titel „The Voice In Me“. Die Platte hat sie in Schweden aufgenommen. Sie klingt entspannter, befreiter, vor allem aber selbstbewusster als der Vorgänger. Sie ist das Ergebnis einer Entwicklung, künstlerisch und persönlich. Joana Zimmer sagt: „Ich habe mir Zeit genommen, die Songs in mir wachsen lassen, Texte und Musik verinnerlicht.“

Zum Gespräch lädt die 24-Jährige in das Büro ihrer Plattenfirma. Das Album erscheint erst Ende des Monats, aber jetzt ist der Stress am größten: Interviews, Fotoshootings und Konzertproben stehen an. An diesem Tag trägt die Sängerin Jeans, rosa T-Shirt und Turnschuhe. Es ist ihr jetzt nicht mehr wichtig, ihren Gesprächspartnern ein Gefühl für ihr Handicap zu vermitteln. Warum auch? Der Erfolg des letzten Jahres hat gezeigt, dass Zimmer anderen Kollegen in nichts nachsteht. Ihr Album, für das sie unter anderem mit Gary „Take That“ Barlow zusammenarbeitete, verkaufte sich hunderttausendfach. Es stieg bis auf Platz fünf der deutschen Charts, brachte ihr eine Goldene Schallplatte. „Es ist nicht nur der Erfolg, der einem Respekt verschafft, sondern auch das Engagement, das man einbringt“, sagt sie.

Mit Engagement hat die gebürtige Freiburgerin ihre Karriere seit jeher verfolgt. Sie war acht, als sie Barbra Streisand auf dem Soundtrack zum Film „Yentl“ hörte. Das habe sie so beeindruckt, dass sie unbedingt Sängerin werden wollte, Gesangsunterricht nahm und Klavierspielen lernte. Als Teenager organisierte sich Joana Zimmer erste Auftritte. Den Mitschnitt einer Show im A-Trane schickte sie an eine Plattenfirma, et voilà: wenig später der lang ersehnte Plattenvertrag.

Nun spielt sie nicht mehr nur für ein paar Dutzend Zuhörer. Im Sommer vergangenen Jahres trat sie bei Bob Geldofs Charity-Konzert „Live 8“ an der Siegessäule auf, vor hunderttausend Menschen. „Das war definitiv eines meiner bisherigen Highlights.“

Vieles spricht dafür, dass weitere hinzukommen. In der nächsten Woche fährt sie nach Leipzig, um in einer Fernsehshow von Opernstar José Carreras ihre neue Single „Bringing Down The Moon“ zu singen, das dazugehörige Video drehte sie vor kurzem in der Bretagne. Und dann bereitet sich die Sängerin mit einem Tanzlehrer auf eine Tour im kommenden Frühjahr vor. Das Rampenlicht scheut Joana Zimmer längst nicht mehr.

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