Berlin : "Mit den Taxifahrern kommen wir inzwischen klar"

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Nicht die Taxifahrer und nicht die mangelnde Karnevalsbegeisterung der Berliner - der Osttarif ist es, der den zugezogenen Bonnern zu schaffen macht. Wobei es nun gerade nicht die Bonner selbst sind, die nur 86,5 Prozent des West-Gehaltes bekommen. Das betrifft eher einige Kollegen aus Berlin, die, dem Tauschprogramm sei Dank, nun einen erheblichen Teil der Bundesbediensteten stellen. Dies meinte jedenfalls der Leiter der Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Hartmut Friedrich, der gestern eine Umzugsbilanz vorlegte.

11 400 Arbeitsplätze sollten mit Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung nach Berlin verlagert werden, 9500 sind inzwischen hier. Tatsächlich umgezogen sind aber nur 6300 Bundesbedienstete, der Rest kam aus Berliner Tauschbehörden. Beim Bundespresseamt zum Beispiel, das mit 450 Mitarbeitern nahe dem Bahnhof Friedrichstraße sitzt, stammt schon mehr als die Hälfte aus Berlin, sagte Wolfram Wickert, DAG-Mitglied und für die Koordination der Internet-Verbindung zuständig.

Die Bonner wiederum haben sich recht nett integriert und pendeln auch seltener zurück, als man das vor einem Jahr vermutet hatte. 1200 bis 1300 Pendler gebe es noch. "Schon wegen des Kulturangebots bleiben viele das Wochenende hier", sagt Wickert. "Und mit den Taxifahrern kommen wir inzwischen auch klar." Selbst der Karneval wurde gemeinsam begangen, und die Berliner Kollegen hätten nicht nur mitgemacht, sondern sogar versucht, den Bonnern zu zeigen, "wie man richtig Fasching feiert".

Reinickendorf ist der beliebteste Bezirk der Neuberliner, gefolgt von Zehlendorf, Charlottenburg, Mitte und Steglitz. "Die Makler" sind das, was Wickert in Berlin am meisten stört. Von Zuzüglern, die eine Wohnung kaufen wollten, würden überhöhte Preise verlangt. Dafür ist der Immobilienmarkt im Bonn, allen Befürchtungen zum Trotz, nicht zusammengebrochen.

Übrigens gibt es Bonner, die es bereuen, sich freiwillig zum Bleiben gemeldet zu haben. Aber auch für die besteht Hoffnung. "Die Rutschbahn wird kommen", meint Friedrich. "In fünf bis acht Jahren."

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