Berlin : Mit den Waffen der Kunst

Die Friedens-Skulptur „Non Violence“ kommt in den Garten des Kanzleramtes

Sabine Beikler

Sie gehört zu den bekanntesten Anti-Kriegs-Kunstwerken der Gegenwart. Nun soll auch in Berlin ein Exemplar der verknoteten Pistole des schwedischen Bildhauers Carl Fredrik Reuterswärd erhalten. Das erste Standbild seiner Serie wurde 1988 vor den Vereinten Nationen in New York aufgestellt, weltweit gibt es elf Exemplare der Skulptur „Non Violence“. Am kommenden Sonntag will Bundeskanzler Gerhard Schröder am Spreeufer im Kanzleramtsgarten ein Exemplar der Bronzeskulptur enthüllen.

Die Enthüllung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Kultur im Kanzleramt“ und hat aus Sicht der Bundesregierung keinen Bezug zum Wahlkampf. Im April dieses Jahres habe sich Reuterswärd über das Sprengel Museum in Hannover an Schröder mit der Bitte gewandt, ihm eine seiner Skulpturen aus der Reihe „Non Violence“ schenken und im Kanzleramtsgarten aufstellen zu dürfen, sagt ein Sprecher des Bundespresseamtes. Danach sei es „im Sommer“ zu einer persönlichen Begegnung von Schröder und Reuterswärd gekommen. Wann der Termin der Enthüllung vereinbart wurde, konnte der Sprecher nicht sagen.

Das Objekt von Reuterswärd ist ein weltweit geachtetes Kunstwerk. Warum sollte jetzt also nicht auch eine verknotete Pistole im Kanzlergarten stehen? Die Opposition glaubt nicht, dass es Zufall ist, dass die Enthüllung des internationalen Friedenssymbols mitten in die von Schröder entfachte Iran-Debatte platzt. „Für wie blöd hält die Bundesregierung die Wähler, mit Trivialsymbolik unter dem Deckmantel der Kunst Wahlkampf zu machen“, wettert Steffen Kampeter, haushaltspolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion. Schröder solle lieber mit „seinem Freund Putin“ über die Russland-Hilfen an den Iran sprechen statt Anti-Kriegs-Kunstwerke aufzustellen, fordert der FDP-Landeschef und Bundestagsabgeordnete Markus Löning.

Dass Literaturnobelpreisträger Günter Grass am Sonntag die Laudatio auf die Skulptur hält, ist aus kulturpolitischer Sicht sicher angemessen. Aber hatte Grass, der 1993 aus Protest gegen die Asylrechtsänderung aus der SPD ausgetreten war, sich nicht auch in diesem Jahr wie schon mehrmals zuvor als SPD-Wahlkämpfer angeboten?

Eine Woche später laden Kanzeramt und Ministerien zum Tag der offenen Tür ein. Auf ihrer Homepage beschreibt das Kanzleramt auch Besichtigungstouren durch den Garten mit der „Premiere in Sachen Kunst“: die verknotete Pistole. Hat das mit Wahlkampf zu tun? Von Veranstaltungen, die mehr „Sympathie- als Aufklärungscharakter“ haben, muss die Bundesregierung laut Bundesverfassungsgericht im Wahlkampf absehen. Und die Pistole? Das ist wohl pazifistische Aufklärungsarbeit.

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