Berlin : Mit der Videokamera gegen Hotelräuber

Schon elf Überfälle – die Kripo geht von zwei Serien aus

Tanja Buntrock

Zuschauen und gar nichts tun? Das wollte Joachim Rissmann vom Hotel „Bogota“ nicht. Nach den vielen Hotelüberfällen seit Anfang Januar in Berlin hat der Inhaber eine Videoüberwachungskamera installieren lassen. Das „Bogota“ ist eines von insgesamt elf Hotels und Pensionen, die in diesem Jahr ausgeraubt wurden. Alle liegen im Westteil der Stadt. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2003 gab es nur zwölf Überfälle in Berlin. Die Beute war fast immer gering, weil die meisten Gäste mit Kreditkarten oder Schecks zahlten.

Die Kriminalpolizei geht von zwei Raubserien mit unterschiedlichen Tätern aus: Sechs Hotelüberfälle schreibt die Kripo einem Räuber-Duo zu. Es sollen zwei südländische Täter im Alter von Anfang zwanzig sein. Vier Hotelüberfälle habe ein Einzeltäter, 30 bis 35 Jahre alt, zu verantworten (siehe Kasten). „Wir gehen von einem Nachahmungstäter aus“, sagt Chefermittler Manfred Schmandra. Den Überfall am 5. Februar auf das „BB–Hotel“ in der Schöneberger Fuggerstraße rechnet Schmandra nicht zu den beiden Raubserien. Es waren vier Täter, außerdem passe die Vorgehensweise nicht in die Serie.

Das meist maskierte Räuber-Duo war mit einer Pistole bewaffnet und ist über Nebeneingänge in die Hotels gekommen. Das „Sorat“-Hotel war das einzige größere Haus, das sie sich ausgesucht hatten. Hier sind die Täter zum ersten Mal gewalttätig geworden. Einem Mitarbeiter traten sie gegen die Brust, dem anderen zogen sie an den Haaren. Der Einzeltäter trug gleichfalls immer eine Pistole bei sich, er ist aber bislang nicht handgreiflich geworden.

Rund 600 Hotels gibt es in der Stadt. Die Polizei könne nicht vor jedes einen Beamten postieren, sagt Ermittler Schmandra. Doch es seien verstärkt Streifenwagen unterwegs. Die Kripo rät den Hoteliers, die Nebeneingänge besser zu sichern. Der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin, Peter Vogl, sagt: „Einige Hoteliers überlegen, über einen Piepser einen direkten Anschluss zu einer Sicherheitsfirma zu schaffen.“ Wichtig sei, dass größere Geldsummen in den Kassen sofort weggebracht werden. Doch auf keinen Fall sollten sich die Mitarbeiter bewaffnen, warnt die Kripo. Es sei besser, Ruhe zu bewahren und sich Details einzuprägen. Zum Beispiel, wie die Täter flüchten.

Beim Überfall auf das „Bogota“ waren Gäste den Tätern nach gefolgt und hatten gesehen, wie die Räuber in ein Taxi stiegen. Doch die Spur führte die Kripo nicht weiter. „Der Taxifahrer hat sich nicht gemeldet.“ Es könne durchaus sein, dass es ein Schwarzarbeiter war – und der scheut dann wohl die Polizei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben