Berlin : Mit der Waffe in den Unterricht - Wissenschaftler diskutieren an der FU

Silke Edler

Tatort Schule: Ein Jugendlicher fühlt sich vom Lehrer ungerecht behandelt und will sich rächen. Er attackiert den Lehrer mit einem Messer, der reagiert jedoch schnell, schlägt dem Schüler die Stichtwaffe aus der Hand und verpasst ihm eine schallende Ohrfeige. Nach Schulschluss verprügelt der Schüler wütend den Sohn des Lehrers. Eine Szene, die sich nicht etwa gestern abgespielt hat, sondern Anfang der 50er Jahre. Der Lehrersohn von damals heißt Hans Merkens und ist Erziehungswissenschaftler an der Freien Universität Berlin. "Daran kann man erkennen, dass es Gewalt an Schulen schon immer gab", sagte der Professor am Mittwochabend bei einer Diskussion der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema "Tatort Schule - zwischen Erziehung und Gewalt". Diskutiert wurde über Ausmaß und Qualität von Gewalt an Schulen und darüber, wie Lehrer und Schüler mit dem Phänomen umgehen können.

Zugenommen hat Gewalt an Schulen nach Ansicht der Vertreter von Schulen, Universitäten und dem Schulpsychologischen Dienst nicht. Anders verhält es sich allerdings mit der Qualität der Attacken. "Sie sind gefährlicher geworden, weil häufiger Waffen eingesetzt werden", sagte Merkens. Besonders aggressiv seien pubertierende Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren. Das bestätigte auch Schulpsychologe Erhard Müller, der mehrere Studien über Gewalt an Schulen ausgewertet hat. "Was an den Schulen fehlt, ist die soziale Kontrolle", sagte Merkens. Nur wenn man Schüler aktiv in die Gestaltung des Schullebens einbeziehe, könne Gewalt in verantwortungsvolle Selbstentwicklung umgewandelt werden.

Der Wissenschaftler nennt dies "strukturierte Gewalt", bei der Schüler sich durchaus gewissen Zwängen unterordnen müssen. "Wenn Schüler beispielsweise gemeinsam mit den Lehrern den Unterrichtsstoff festlegen, müssen sie sich darüber klar sein, dass diese Entscheidung bindend ist und durchgezogen wird", sagte er. Ferner plädierte Merkens für die Einbindung der älteren Schüler in die Pausenaufsicht als eine gute Gelegenheit für soziale Kontrolle. "Die Integration in den Schulalltag ist ganz wichtig, um der Gewalt vorzubeugen", sagte er.

Dafür sprach sich auch Schulsprecher René Güntner vom Oberstufenzentrum Charlottenburg aus. "Je mehr man Schüler in die Gestaltung ihres Umfeldes einbindet, desto weniger gewaltbereit sind sie", sagte der Abiturient. Deshalb müssten Schüler und Lehrer sich untereinander verständigen. Das funktioniere seit einiger Zeit zwar schon ganz gut, trotzdem fehlten häufig Ideen gegen Gewalt. "Lehrer müssten für die Gewaltprävention besser ausgebildet werden", forderte Güntner.

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