Berlin : „Mit dieser Miete schafft das keiner“

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Mit dem Astor schließt HansJoachim Flebbe zum zweiten Mal ein Ku’damm-Kino. Das Gloria machte er 1998 dicht. Der Vorstandsvorsitzende der Cinemaxx-AG führt vor allem große Multiplextheater wie am Potsdamer Platz, aber auch einzelne, traditionelle Häuser. In dieser Sparte betreibt er in Berlin jetzt nur noch den Filmpalast Berlin..

Das Astor schließt und Sie sehen gar nicht traurig aus.

Das täuscht. Aber es nutzt ja nichts, wenn ich bittere Tränen vergieße. Wir hätten gerne weitergemacht. Aber bei einer derartigen Mieterhöhung kann man kein Kino kostendeckend betreiben.

Für den Hausherr hunderter Kinosäle in Multiplexhäusern ist es nicht möglich, das Astor mit durchzufüttern?

Wirklich, ich bin ein großer Freund der alten, traditionellen Kinos. Und wir betreiben jedes Haus weiter, solange es dauerhaft keine roten Zahlen schreibt. Beim Astor war das ja auch bisher der Fall. Da gab es keine großen Gewinne, so dass wir das Geld dort säckeweise hätten heraustragen können.

Was sagen Sie, wenn man Ihnen vorwirft, kleine Theater plattzumachen?

Dann versuche ich zu erklären, dass zwischen dem Publikum im Cinemaxx und dem im Astor Unterschiede bestehen. Das Multiplex zieht vor allem junge Leute an, die die Kassenschlager sehen wollen. Ins Astor kamen Gäste, denen eine intimere Atmosphäre wichtig ist und die sich in einem Großkino nicht wohl fühlen.

Trotzdem kamen seit Eröffnung der Multiplexe weniger Zuschauer auch ins Astor.

Das ist richtig und liegt vermutlich daran, dass die Synergieeffekte zwischen den großen Kinos, wie dem Royal und der alten Filmbühne Wien, wegbrachen. Das heißt: Zuschauer, die dort einen Film sehen wollten, aber vielleicht keine Karte mehr bekamen, sind dann in die benachbarten Kinos gegangen. Der Kurfürstendamm war früher die Kinoadresse. Wollte man Filme sehen, kam man hierher.

Also haben Sie doch dem Astor das Leben schwer gemacht, in dem Sie zum Beispiel das Cinemaxx am Potsdamer Platz eröffnet haben.

Das kann man nicht vergleichen. Der Potsdamer Platz ist Berlins erfolgreichstes Kino mit 1,2 Millionen Besuchern pro Jahr. Das Astor hatte im laufenden Jahr gerade noch 60000 Gäste: Der einzige Grund für das Ende des Astor ist die Mieterhöhung.

Das klingt, als wäre das Kinogeschäft reine Liebhaberei.

Was solche Häuser wie das Astor angeht, ist da auch etwas dran. Entweder man möchte ein Kino, um auch abends Leben in Einkaufsstraßen zu bringen, oder man möchte es nicht und zählt lieber das Geld.

Welche Zukunft haben Traditionshäuser wie der Filmpalast Berlin?

Solange keine Ladenkette da rein möchte und die Mieten hochtreibt, sieht es eigentlich ganz gut aus.

Und wie steht es um die Kinomeile Ku’damm?

Da sieht die Zukunft nicht so rosig aus.

Das Gespräch führte Matthias Oloew.

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