Berlin : Mit Displays gegen Temposünder

80 neue Anzeigetafeln sollen Raser ermahnen

Rainer W. During

„Es muss in die Köpfe, dass Geschwindigkeitsüberschreitungen nicht zu tolerieren sind – und von den Köpfen auf das Gaspedal“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Gestern stellte sie einen weiteren Schritt zur Senkung der Zahl der Unfallopfer in Berlin vor. In den nächsten Wochen werden 80 Dialog-Displays aufgestellt, die Temposünder bremsen sollen.

Der obere Teil des Ovals am Rand der Paul-Junius-Straße vor der Carl-von-Linné-Behindertenschule in Lichtenberg zeigt ein blondes Mädchen mit gelbem Shirt. Das darunterliegende Display signalisiert Autofahrern, die sich an die hier geltende Tempo-30-Regelung halten, ein grünes „Danke“. Wer schneller fährt, wird in roter Leuchtschrift aufgefordert: „Langsamer“.

Zwei Jahre wurden die Dialog-Displays in der Lützowstraße (Mitte) und der Parkstraße (Pankow) erprobt. Mit verblüffendem Erfolg. Ein Gewöhnungseffekt trat nicht ein, die Zahl der Temposünder ging auch langfristig um zehn bis 15 Prozent zurück. Die Radaranlagen speichern auch die Messungen, „geblitzt“ werden die Autos aber nicht.

Als erste Stadt wird Berlin die Displays jetzt flächendeckend einführen, kündigte die Senatorin an. Für rund 480 000 Euro werden 80 Anlagen an 40 Standorten für meist beide Fahrtrichtungen installiert. Noch in diesem Monat gehen sie in der Habersaathstraße und der Hessischen Straße in Mitte, der Humboldt- und der Finsterwalder Straße in Reinickendorf, der Olbersstraße (Charlottenburg-Wilmersdorf) und der Lissabonallee (Steglitz-Zehlendorf) in Betrieb.

Alle Bezirke hätten Standorte gemeldet, nur Marzahn-Hellersdorf nicht. Dort war man von der Nichtberücksichtigung überrascht. „Wir haben uns um fünf Standorte beworben“, sagte Tiefbauamtsleiter Werner Schmidt. Lichtenberg wird indessen noch fünf zusätzliche Displays aus eigenen Mitteln beschaffen. Gab es Anfang der 90er Jahre jährlich noch rund 200 Verkehrstote in Berlin, sind es heute um die 70.

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