Berlin : Mit einem Modell will das Unternehmen Skanska die Aufbau-Diskussion forcieren

Christian van Lessen

"Das Stadtschloss ist das interessanteste Bauprojekt Europas", sagte gestern Helmut Grosse von der Skanska-Bauholding. Der Geschäftsführer der Berliner Gesellschaft, ein Tochterunternehmen des schwedischen Bau- und Immobilienkonzerns Skanska, will mithelfen, das Schloss in einem teilweise modernen Gewand aufzubauen. Skanska traue sich die Kraft und Kompetenz zu, gemeinsam mit Land und Bund "Kräfte zu bündeln", um das Bauvorhaben auf den Weg zu bringen und biete sich als Projektentwickler an. Es sei realistisch, Baukosten von 1,5 Milliarden Mark einzuplanen.

Um zu zeigen, wie schön so ein neues Schloss aussehen kann, hat Skanska für 35 000 Mark ein Modell im Maßstab 1:250 entwickeln lassen. Es ist zum ersten Mal öffentlich ausgestellt und wird auch lebhaft bewundert - nicht in Berlin, sondern auf der Immobilienmesse MIPIM in Cannes, wo nach Angaben des Skanska-Geschäftsführers Investoren und Banker bereits interessiert nachgefragt haben. Das Modell, dessen filigrane Kunststoffteile mit Computerhilfe hergestellt wurden, soll später auch in Berlin gezeigt werden, wo und wann ist noch unklar. Es wäre dann ein weiteres Schloss-Modell. Im Gegensatz zu dem bereits Unter den Linden gezeigten Modell der Gesellschaft Historisches Berlin stellt es keinen originalgetreuen Wiederaufbau dar, sondern ist wie das Modell der Gesellschaft Hanseatica mit Modernem verknüpft: Die Ostfassade an der Spree, an die jetzt der Palast der Republik grenzt, ist gläsern, um die Verbindung zum modernen Berlin und zum Alexanderplatz hervorzuheben. Eine Reihe von Sälen ist wiederhergestellt, der Schlüterhof überdacht worden, es gibt zusätzliche Geschosse für eine öffentliche Bibliothek. Das Schloss ist in seinem Inneren aber hauptsächlich mit modernen Räumen angelegt. Als Nutzer stellt sich der "Bauherr" unter anderem eine internationale Institution, eine Universität, Neue Medien, ein Hotel und ein Gästehaus vor, das auch für den Bund zur Verfügung stehen könnte. Es gibt auch zahlreiche Ausstellungsflächen.

Als "Schlossplatz-Initiative", für die man sich auch um prominente Teilnehmer bemühe, wolle man alle Interessen zusammenfassen, stehe mit dem Schloss-Befürworter Wilhelm von Boddien in Kontakt, ebenso mit der Gesellschaft Hanseatica, die an einem Bau interessiert ist, oder auch mit der Gesellschaft Historisches Berlin, hieß es. Das Projekt sei von so großer Dimension, dass viele beteiligt werden müssten. Die Skanska könne sich vorstellen, Teil-Gesellschafter oder Mitglied einer Betreibergesellschaft zu sein. Skanska hatte sich an dem früheren Interessenbekundungsverfahren für Investoren nicht beteiligt.

Das Schloss-Modell soll nach Auskunft des Skanska-Geschäftsführers die Diskussion um den Wiederaufbau bereichern und forcieren. Bereits im vergangenen August hatte das Unternehmen, wie berichtet, dem Regierenden Bürgermeister sein Interesse am Schloss mitgeteilt, es müsse sich aber rechnen. Diepgen freute sich über das Interesse des Weltkonzerns, Stadtentwicklungssenator Peter Strieder vermutete einen Wahlkampfgag ohne Realitätssinn. Damals wurde daran erinnert, dass sich die Schweden bereits von ihrem Milliarden-Bauprojekt "Teleport" am Omnibusbahnhof und einem Bauvorhaben auf dem Tacheles-Gelände in Mitte verabschiedet hatten.

Bevor die vom Senat und vom Bund gewünschte öffentliche Nutzung nicht genau definiert sei, könne man überhaupt nicht über den Bau sprechen, sagte gestern die Sprecherin der Senatsbauverwaltung, Petra Reetz. Über die öffentliche Nutzung werde die von beiden Seiten vorgesehene Expertenkommission beraten. Sie sei aber noch nicht eingesetzt.

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