Berlin : Mit einer Extradosis Glamour: Berlinale wird zum Treff der Stars

Auf dem roten Teppich wird auch Prominenz aus der Musikbranche erwartet

Andreas Conrad

Mit 9 mal 20 Zentimetern passt das Stück Auslegware versandfreundlich in einen Briefumschlag. Innenausstatter könnten einiges über Qualität oder Webart erzählen, doch verblasst das vor der entscheidenden Information: Es ist ein Stück roter Teppich. Im Termingewirr der Berlinale muss man sich einiges einfallen lassen, um aufzufallen. Der Verleih Kinowelt jedenfalls versandte zu den in wenigen Tagen startenden Filmfestspielen die roten Teppichreste als Eintrittskarte zu seiner Festival-Party. Allerdings: Um den großen Auftritt zu üben, sind die roten Rechtecke zu klein.

An sich hätte Kinowelt solche Gag-Einladung nicht nötig, schließlich steuert sie sechs Filme zum Programm bei, darunter den Eröffnungsfilm „Shine a Light“ von Martin Scorsese, seine Dokumentation über die Stones, die auch, wie allseits versichert wird, alle vier kommen, bei der üblichen Pressekonferenz Rede und Antwort stehen und dann abends vor dem Berlinale-Palast über den Teppich laufen.

Wenn es am Donnerstag kurz vor sieben zu diesem denkwürdigen Akt kommt, hat die Stadt eine erste Extradosis Glamour bereits intus, werden doch am Abend zuvor im Ullsteinhaus die Goldenen Kameras verliehen, unter anderem an Robert de Niro, Kylie Minogue, Chuck Berry und Tokio Hotel. Erfahrungsgemäß wird der eine oder andere der illustren Gäste auch am Folgeabend über den wichtigsten Berlinale-Teppich schreiten.Der hat in diesem Jahr wieder viel auszuhalten, zum Glück wird er – auch dies ist die Regel – zur Halbzeit ausgetauscht. Am Folgetag geht es gleich weiter mit Daniel Day-Lewis, der in Paul Thomas Andersons „There Will Be Blood“ die Hauptrolle spielt. Anderson war übrigens Regisseur von „Magnolia“, dem Siegerfilm der Berlinale 2000, der ersten am Potsdamer Platz.

Am kommenden Wochenende heißen die berühmtesten Stars dann Tilda Swinton („Julia“), John Malkovich („Gardens of the Night“), Ben Kingsley und Penélope Cruz („Elegy“), Willem Dafoe, Ryan Reynolds sowie – noch unbestätigt – auch Julia Roberts („Fireflies in the Garden“). Reynolds war lange mit der Sängerin Alanis Morissette zusammen, derzeit ist er angeblich mit der als Gast ebenfalls angekündigten Scarlett Johansson liiert, wovon die beiden aber, sofern es stimmt, in Berlin nicht viel hätten: Scarletts Film „The Other Boleyn Girl“ ist erst fünf Tage später im Programm, so wird sie sich eben mit ihrer Filmschwester Natalie Portman begnügen müssen, der bei Ende des Films kopflosen Anne – eine Rolle, die schon von Henny Porten, Vanessa Redgrave, Charlotte Rampling und sogar Lili Palmer gespielt wurde. Auch Eric Bana, der aktuelle Heinrich VIII., will kommen. Der letzte Star des Wettbewerbs schließlich ist Mia Farrow in „Be Kind Rewind“.

Auch der Bodenbelag vor den anderen Spielorten ist gefordert. Im Zoo-Palast etwa durch Madonna, die als Regiedebütantin „Filth and Wisdom“ vorstellt, im International durch Patti Smith, der die Dokumentation „Dream of Life“ gewidmet ist. Im Filmpalast schließlich wird Neil Young erwartet, einer der vier Heroen in dem Konzertfilm „CSNY Déjà Vu“ über die Tournee 2006 von Crosby, Stills, Nash & Young. Ein Musiker zudem, dem mit Jim Jarmusch und Jonathan Demme schon zwei der erfolgreichsten US-Regisseure Filme gewidmet hatten – eine Ehre, die nun mit Scorsese auch den Stones zuteil wurde. Andreas Conrad

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