Berlin : Mit Eintrittskarte zur Christvesper

Schlangestehen vor der Kirche: Heiligabend waren die Gottesdienste überfüllt Im Berliner Dom gab es in diesem Jahr erstmals Tickets für Gemeindemitglieder

Benjamin Lassiwe

Jedes Jahr ist es das gleiche Bild: Vor der alten Dorfkirche in Marienfelde stehen am Heiligen Abend die Menschen an. Schon 45 Minuten vor Beginn der Christvesper hat sich eine Warteschlange gebildet. Die Menschen in Marienfelde wissen: Die im Stundentakt stattfindenden Heiligabend-Gottesdienste in der kleinen, nur rund 220 Menschen fassenden Feldsteinkirche sind regelmäßig überfüllt. Zum einzigen Gottesdienst an einem normalen Sonntag kommen dagegen meist nur etwa 70 Menschen. „Ich kenne das gar nicht anders“, sagt Pfarrerin Carola Enke-Langner. Am Heiligen Abend könne die Gemeinde in der Dorfkirche und in einem Neubau-Gemeindezentrum, dem Dorothee-Sölle-Haus in der Waldsassener Straße, insgesamt elf Gottesdienste, Krippenspiele und Christvespern anbieten. „Mehr Gottesdienste schaffen wir einfach nicht – es kann ja immer nur einer in der Kirche stattfinden.“

Ähnlich ist es im Berliner Dom. Dort wurden im Dezember erstmals Eintrittskarten für die Heilig-Abend-Gottesdienste an Gemeindeglieder ausgegeben, sagt die stellvertretende Pressesprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Heike Krohn. Schon im vergangenen Jahr seien fünf der sechs Christvespern in der 2000 Plätze zählenden Domkirche überfüllt gewesen. Mit den Eintrittskarten wollte die Gemeinde sicherstellen, dass jedes ihrer Mitglieder eine Chance hatte, am Heiligen Abend in der eigenen Kirche zum Gottesdienst zu gehen. Erst wenn eine Anzahl Gemeindeglieder Platz genommen hatte, wurden die übrigen Wartenden eingelassen. Doch auch 2007 waren alle sechs Christvespern im Dom überfüllt. Wer nicht in den Dom konnte, wurde Krohn zufolge per Megaphon auf die Gottesdienste in der Umgebung hingewiesen.

Insgesamt blieb die Zahl der Gottesdienstbesucher am Heiligen Abend in der EKBO nach Angaben der Kirchensprecherin „auf dem hohen Niveau des Vorjahres konstant“. Manche Gemeinden zählten einen stärkeren Besuch, andernorts gingen die Zahlen eher zurück. Deutlich steigern konnte ihre Besucherzahlen etwa die Kirchengemeinde Mariendorf-Süd, wo die Menschen in diesem Jahr sogar auf dem Fußboden vor dem Altar saßen: Während 2006 1300 Menschen am Heiligen Abend in die Kirche kamen, waren es 2007 rund 1420. Leerer waren die Gottesdienste in der Sophienkirche in Mitte: Während 2006 dort rund 2650 Menschen die Christvespern besuchten, waren es 2007 nach Angaben der EKBO nur 2350 Gottesdienstbesucher.

Keine genauen Angaben über die Zahl ihrer Kirchgänger am Heiligen Abend kann dagegen die katholische Kirche machen. „Die Evangelische Kirche zählt ihre Gottesdienstbesucher jedes Jahr an Weihnachten, wir machen es traditionell an normalen Sonntagen im November und März“, sagt der Pressesprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner. „Meiner Einschätzung nach steigt aber auch bei uns die Nachfrage, denn immer mehr Gemeinden erhöhen die Zahl ihrer Angebote am Heiligen Abend.“

Überfüllt sei schon seit Jahren die Sankt-Hedwigs-Kathedrale: Wer dort die 22 Uhr-Messe besuchen wollte und erst um 22 Uhr kam, hatte Förner zufolge in den letzten Jahren nie die Chance auf einen Sitzplatz. Benjamin Lassiwe

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben