Berlin : Mit Energie

Werber für Wowereit wird Werber für Kraftwerke: Was die Kündigung des Senatssprechers bedeutet

Bislang war Rot seine Vereinsfarbe, ab Oktober wird es die Kombination aus Blau und Grün sein. Michael Donnermeyer, Sozialdemokrat von Herzen, geht, wie gestern kurz berichtet, zum „Informationszentrum klimafreundliches Kohlekraftwerk“: Das ist eine Organisation, die auf ihrer Internetseite unter blauem Himmel in grüner Schrift Hoffnung auf eine umweltschonende Kraftwerkstechnik macht. Sechs Jahre im Roten Rathaus sind ihm genug. Es sei „ein guter Zeitpunkt, etwas Neues zu machen“, sagt er. Beim IZ Klima wird er Hauptgeschäftsführer. Sein Job wird es sein, Werbung für fast vollständig kohlendioxidfreie Kraftwerke zu machen. Manche sagen „Lobbying“ dazu – damit hat Donnermeyer kein Problem. Er habe Werbung für Rot-Rot gemacht, sagt er – und das sei eine Kommunikationsaufgabe gewesen. Der neue Job sei es nicht weniger.

Vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit trennt er sich nach allem, was man hört, im Guten. Donnermeyer war einer der wichtigsten Gesprächspartner für Wowereit, der in dieser Hinsicht nicht viele Leute ernst nimmt. Die rot-rote Kommunikationsaufgabe kann zumindest für Berlin als einigermaßen gelöst gelten. Dabei dürfte Donnermeyer vielerlei interne SPD-Erfahrung und noch mehr Erfahrung mit dem Politikbetrieb geholfen haben. Der 47 Jahre alte gelernte Politikwissenschaftler kommt aus Westfalen, was man ihm anhört, war Sprecher der Berliner SPD, der Landtagsfraktion der Brandenburger SPD, des SPD-Bundesvorstands und Teil der „Kampa“, der Organisation, die Gerhard Schröders ersten Wahlkampf organisierte. Er fühlt sich der Sozialdemokratie verbunden, für die Franz Müntefering steht – was Jobwechsel nicht ausschließt.

In der SPD sieht keiner Gründe, in Donnermeyers Entscheidung etwas hineinzugeheimnissen. Der SPD-Umweltpolitiker Daniel Buchholz hofft, dass sein Parteifreund „Impulse für eine wirklich umweltfreundliche Energiepolitik geben“ könne. Ein anderer Fachmann des Politikbetriebs sagt, manchmal seien die Dinge genauso wie sie schienen: Donnermeyer habe wohl etwas Neues machen wollen; berufliche Wechsel alle sieben Jahre hielten erfahrungsgemäß frisch und jung.

Wowereit hat angeblich noch keinen Ersatz für Donnermeyer. Nach der Rekrutierung jüngerer bundespolitischer Talente wie Björn Böhning und Jessika Wischmeier für Stabstellen im Roten Rathaus kann man auf seine personalstrategischen Aktivitäten gespannt sein. wvb.

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