Berlin : Mit erhobener Stimme

Der 12-jährige Hani Kamal vertritt Berlin beim bundesweiten Vorlesewettbewerb.

Lena Appel
Berliner Vorleser. Einer der seltenen Momente, in denen Hani Kamal mal kein Buch in der Hand hat. Foto: Monique Wüstenhagen
Berliner Vorleser. Einer der seltenen Momente, in denen Hani Kamal mal kein Buch in der Hand hat. Foto: Monique Wüstenhagen

Berlin - Sein Lieblingsbuch? Hani Kamal schnauft durch. Wie soll er das beantworten? „Fast meine ganzen Bücher sind meine Lieblingsbücher“, sagt er. Etwas nach vorn gebeugt, beide Hände auf dem Tisch, sitzt Hani in der Cafeteria des RBB-Fernsehzentrums, wo am heutigen Mittwoch das Finale des bundesweiten Vorlesewettbewerbs aufgezeichnet wird. Und der Sechstklässler aus Reinickendorf geht für Berlin ins Leserennen.

Wenn der 12-Jährige vom Lesen erzählt, breitet sich ein Grinsen auf seinem Gesicht des fröhlichen Jungen aus. „Am liebsten lese ich Abenteuergeschichten, witzige Bücher und Märchen“, sagt er. Hanis Eltern stammen aus dem Irak, er und seine Schwester sind zweisprachig aufgewachsen. Seine Eltern haben schon früh viel vorgelesen: Die Mutter eher orientalische Geschichten, der Vater alles Mögliche. Eine gute Vorbereitung für den Wettbewerb: Denn Hani hat keine Ahnung, welche Geschichte er dort vorlesen muss. Jeder Teilnehmer muss neben einem Stück, das er schon kennt, auch einen fremden Text vorlesen.

Hani übt eigentlich immer. „Manchmal, wenn ich lese, betone ich auch so für mich“, erzählt er. Das richtige Betonen ist beim Wettbewerb nämlich sehr wichtig. Wenn man mit dem 12-Jährigen redet, hat man allerdings das Gefühl, dass er nicht mehr allzu viel üben muss: Beim Erzählen setzt der Junge seine Stimme gut ein, hebt sie mal dort leicht an, um sie dann wieder zu senken, spricht mal schneller, mal langsamer.

Er hofft, dass ihm seine Stimme auch beim Finale treu bleibt. Die Konkurrenz ist groß: 15 Schülerinnen und Schüler treten gegen Hani an – einer aus jedem Bundesland. „Ich glaube, jeder kann gewinnen“, sagt er. „Es kommt ganz darauf an, wie der Tag läuft“. Natürlich will Hani, dass es für ihn ganz besonders gut läuft. Aufregung ist da vorprogrammiert, doch der Schüler versucht, sich nicht verrückt machen zu lassen: „Man muss einfach schön ruhig bleiben, dann wird das schon was.“ Lena Appel

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