Berlin : Mit festem Lächeln

Alina Zetzsche ist 14 Jahre jung und Eiskunstläuferin – für ihren Traum vom Ruhm muss sie hart arbeiten

Jörg Petrasch

Alina Zetzsche tritt von einem Bein auf das andere und pustet sich in die Hände. Vor dem Kurzprogramm wirkt die 14-Jährige nervös. Als sie aufgerufen wird, geht ein Ruck durch ihren Körper und sie fährt energisch und mit einem Lächeln auf den Lippen zu ihrer Ausgangsposition in der Eismitte. „Das ist schon mal gut“, sagt Landestrainer Reinhard Ketterer laut vor sich hin. Mit jedem gestandenen Sprung wirkt sie sicherer, ihr Lächeln fester. Samstagnachmittag, Wedding, Erika-Hess-Stadion: Das Kurzprogramm bei den Berliner Jugendmeisterschaften im Eiskunstlauf ist zu Ende. Alina führt die Konkurrenz an. Sie ist zufrieden und belässt es dabei. Zur Kür am Sonntag tritt sie nicht mehr an – sie will noch eine Meniskusverletzung auskurieren.

Wenn sie draußen steht und die anderen laufen sieht, denkt sie über ihren Sport nach. „Erst wenn ich auf das Eis gehe, ist die Nervosität weg“, sagt Alina. Genau diese Fähigkeit – wenn es darauf ankommt, bei sich zu sein – ist im Eiskunstlauf unverzichtbar. Alina besitzt neben ihrer Sprungsicherheit eine erstaunliche Ausstrahlung auf dem Eis – deshalb ist sie auch amtierende deutsche Jugendmeisterin. „Mit der Zeit lernt man auch, mit dem Publikum zu spielen“, sagt Alina. Und das macht ihr Spaß.

Das muss es auch machen, denn die Läuferin vom Berliner TSC nimmt für ihren Sport einiges auf sich. Die Schülerin wohnt in einem Dorf in Brandenburg und fährt jeden Tag nach Berlin ins Coubertain-Gymnasium. In der Sportschule trainiert sie Woche für Woche. Fast täglich steht sie mehrere Stunden auf dem Eis, dazu nimmt sie noch Ballettunterricht und macht Krafttraining. Eiskunstlauf ist das, was sie machen will. „Das Training macht sehr viel Spaß und außerdem mag ich es lieber, wenn es kalt ist.“

Mit dem Eislaufen angefangen hat Alina im Alter von sechs Jahren. Nachdem sie mit ihren Eltern die Eis-Show „Wintermärchen“ gesehen hatte, wollte sie Eisläuferin werden. Wie wahrscheinlich viele andere Mädchen. Nur Alina ist dabei geblieben. „Ab und zu haben mich meine Eltern aufgemuntert, aber sie reden mir nie rein.“ Die Eltern dürfen sogar nicht mehr zu ihren Wettkämpfen kommen – denn oftmals, wenn sie dabei waren und zusahen, stürzte Alina.

Dass die Eltern nicht immerzu am Rand stehen und ihre Kinder zum Ruhm treiben wollen, ist inzwischen ziemlich normal. „Viele Kinder sind in den Sportschulen und die Eltern müssen arbeiten“, sagt Landestrainer Ketterer. Und das scheint eine gute Kombination zu sein. Denn der Berliner Nachwuchs ist auf nationaler Ebene führend – obwohl es nur fünf Vereine gibt, in denen Leistungssport betrieben wird. Der gebürtige Bayer Ketterer sieht die Struktur der ehemaligen DDR-Sportschulen in Berlin, die Schule und Sport verbindet, als den entscheidenden Vorteil an. Wenn auch noch ausbaufähig.

Und die Vorteile genießt auch Alina. Trotzdem ist die 14-Jährige mit ihren Zielen sehr vorsichtig. Früher wollte sie immer bei einer Weltmeisterschaft mitmachen, „aber heute genügt mir eine Teilnahme bei den Europameisterschaften“. Auch Ketterer ist vorsichtig. Vor Jahren hätte der Trainer einem jungen Eisläufer fast empfohlen, mit dem Sport aufzuhören. Zwei Jahre später wurde Norbert Schramm Europameister und Vize- Weltmeister.

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