Berlin : Mit frischer Kraft voraus

Der Neujahrstag bietet viele Möglichkeiten, die guten Vorsätze der zurückliegenden Nacht umzusetzen Gesünder leben? Auf zum Langlauf Unter den Linden. Den Geist stärken? Konzerte und Museen locken.

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Bloß keinen Stress. Ganz entspannt ins neue Jahr, im Ohm-Klangbecken des Kreuzberger Liquidroms kann man sich bei 34 Grad Wassertemperatur treiben lassen. Foto: dpa/Rainer Jensen
Bloß keinen Stress. Ganz entspannt ins neue Jahr, im Ohm-Klangbecken des Kreuzberger Liquidroms kann man sich bei 34 Grad...Foto: dpa

Der Neujahrstag ist stets ein Tag des Zwiespalts. Gewiss, da sind die guten Vorsätze, und gerade angesichts der zurückliegenden fetten Festtage gehört zu ihnen regelmäßig das sich selbst gegebene Versprechen: gesünder leben, mehr Sport treiben. Andererseits schwappt bei vielen immer noch Restalkohol durch die Adern, der Kopf ist schwer, der Morgen dunkel, das Bett kuschelig warm, und so steht man vor der ersten schweren Entscheidung des Jahres: Soll ich mich schonen, den Tag mit alten Filmen oder leichter Lektüre im Bett verbringen? Oder mich aufraffen, die Vorsätze in die Tat umsetzen?

Die Ausrede, am ersten Tag des Jahres sei sowieso nix los, gilt jedenfalls nicht. Trotz ausgedünntem Feiertagsangebot: Es ist noch immer genügend los, für den Körper wie den Geist. So kann, wer sich fit genug fühlt, spontan die Laufschuhe anziehen und mittags ohne Anmeldung beim 41. Berliner Neujahrslauf des SCC antreten, sogar gratis, doch wird um eine Spende für Unicef gebeten. Das Pensum ist moderat: Einmal vom Brandenburger Tor zum Berliner Dom und zurück, die vier Kilometer sind selbst nach einer durchfeierten Nacht locker zu schaffen. Weiterem Bewegungsdrang sind keine Grenzen gesetzt, sei es am Spreeufer entlang, quer durch den Tiergarten, um die Grunewaldseen herum oder wo auch immer.

Aber jedermanns Sache ist das nicht. Manch einer zieht, um den Kopf wieder frei zu bekommen, der frischen Luft allemal temperiertes oder gar warmes Wasser vor. Die Berliner Bäder-Betriebe öffnen zu diesem Zweck immerhin je ein Bad im Osten wie im Westen der Stadt, bieten 28 Grad Wassertemperatur und ebenfalls geöffnete Saunen. Weniger Wellen als Wellness gibt es dagegen an Orten wie dem Liquidrom im Betonzelt des Tempodrom: eine unterkühlte Architektur, warmes Salzwasser, dazu Lichtspiele, Musik, gelegentlich sogar Walgesänge vom Band – zum Dahineilen im schnaufenden Joggerpulk eine verlockende Alternative.

Manch einer aber wünscht sich zum Start ins neue Jahr statt Moby Dick lieber Mozart, noch lieber Beethoven und am liebsten die 9. Sinfonie samt der „Ode an die Freude“. Gespielt wird sie gleich zweimal, im Schillertheater, dem Ausweichquartier der Staatsoper, und, als Konzert des Sinfonie Orchesters Berlin, in der Philharmonie. Allerdings sind beide Konzerte ausverkauft. Als Trost gibt es im Schillertheater für Interessierte immerhin noch eine „Nach(t)führung“ – oder man wechselt ganz Ort und Orchester, es gibt ja einige Alternativen mit genügend freien Plätzen oder zumindest Restkarten, so beim allerersten Neujahrskonzert in Schinkels Schauspielhaus am Gendarmenmarkt mit Musik von Wagner, Weber, Bernstein und anderen oder in der Deutschen Oper, wo das Staatsballett Tschaikowskis „Schwanensee“ tanzt.

Auch Anhänger moderner, poppiger Musik müssen an diesem Tag nicht abseits stehen: Tradition hat das Neujahrskonzert in der Volksbühne, diesmal mit der kanadischen Band Austra und Sängerin Katie Stelmanis, die dem noch zarten Jahr mit der zeitlosen Melancholie des Gothic behutsam und verspielt entgegentritt. Auch hier gibt es allerdings nur noch Restkarten.

Die ideale Synthese aus leichter körperlicher Betätigung und Kulturkonsum bietet vielleicht ein Museumsbesuch: Laufen, schauen, Kaffee trinken. Anders als zu Silvester haben alle Häuser der Staatlichen Museen, das Museum für Film und Fernsehen, das Jüdische Museum und die Häuser des Stadtmuseums an diesem Sonntag geöffnet. Und im Märkischen Museum gibt es sogar schon eine Familienführung: „Ich sehe was, was du nicht siehst“, samt knifflig-unterhaltsamen Aufgaben zur Stadtgeschichte und anschließender Vorführung mechanischer Musikinstrumente. Damit Kinder im neuen Jahr gleich was lernen.

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