Berlin : Mit Grips

Das Musical „Linie 1“ feiert 20. Geburtstag Drei Millionen Zuschauer sahen es weltweit

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Als am 30. April 1986 das Musical „Linie 1“ am Berliner Grips-Theater uraufgeführt wurde, ahnte niemand den kommenden Erfolg. „Wir haben eine ganze Weile gebraucht, bis wir realisierten, dass wir das erfolgreichste deutsche Musical geschaffen hatten“, sagt Autor und Theaterleiter Volker Ludwig . In den vergangenen 20 Jahren haben rund 450 000 Zuschauer allein die Originalproduktion in Berlin gesehen.

Doch die Erfolgsgeschichte dieser musikalischen Revue und besonderen Liebeserklärung an Berlin ist längst eine globale geworden. Das Grips-Ensemble gastierte rund um den Erdball und zeigte die dramatisch, komische und wirklichkeitsnahe Mischung aus Berliner Typenkabinett und Alltagsgeschichten mit der Musik von Birger Heymann unter anderem in London, Paris, Melbourne, Jerusalem, Prag, Moskau, Bombay und New York.

Im Jahr 1988, als Reinhard Hauffs Verfilmung von „Linie 1“ die Berliner Filmfestspiele eröffnete, führte eine sensationelle Gastspielreise in die DDR - nach Halle, Dresden und nach Karl-Marx- Stadt (heute Chemnitz). „Linie 1“ wurde von 150 deutschsprachigen Theatern nachgespielt, außerdem auch von Bühnen unter anderem in Italien, Griechenland und Brasilien.

In einigen Städten wie Kalkutta („Chord Line“), Barcelona („Linea Roja“) und Hongkong („Island Line“) wurden die U-Bahn-Stadt-Geschichten eigens auf die jeweilige Stadt überragen. Die erfolgreichste Adaption gelang in Seoul. Dort wurde unlängst die 3000. Aufführung gefeiert. Schätzungsweise drei Millionen Besucher haben bislang eine der internationalen Inszenierungen gesehen.

„Linie 1“ erzählt die Geschichte einer jungen Ausreißerin aus der Provinz, die mit dem Zug am Bahnhof Zoologischer Garten ankommt und auf der U-Bahn-Linie nach Kreuzberg verschiedenen großstädtischen Typen mit ihren Schicksalen begegnet. 90 verschiedene Rollen haben die elf Darsteller auf der Bühne zu bewältigen.

Die einzelnen Geschichten, so Autor Ludwig, habe er schon lange im Kopf gehabt. Die U-Bahn als Vehikel sei die entscheidende geniale Idee gewesen, sie miteinander zu verbinden.“ Solche Geschichten, wie sie in „Linie 1“ erzählt werden, gibt es überall auf der Welt“, erklärt sich Volker Ludwig den nachhaltigen Erfolg. „Die ,Linie 1’ ist ein realistisches, aber auch emotionales Stück – und es hat den Unterhaltungswert eines großen Musicals.“ Für das Berliner Grips-Theater hat dieser nachhaltige Triumph allerdings auch eine Schattenseite: Die Besucher wollen vor allem „Linie 1“ sehen. Das breite Repertoire aus Musicals, Kinder- und Jugendtheaterstücken werde zu wenig beachtet, bedauert Theaterchef Ludwig. ddp

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