Berlin : "Mit großen Kötern spazieren gehen" - eine kurze Chronik der Berliner Diskussion

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Gezerre um die Leinenpflicht ohne Ende - und zwar nicht nur in den vergangenen Jahren. Schon im 18. und 19. Jahrhundert stritten sich die Berliner heftig, ob Hunde in der Stadt generell an die Strippe gehören. Die Hundelobby war bereits damals stark, doch auch die Gegenseite benutzte heftige Worte. So beklagte sich der Berliner Verleger Friedrich Nicolai schon 1781 "über die schädliche Gewohnheit, dass vornehme Leute mit großen Kötern spazieren gehen." Einen generellen Leinen- und sogar Maulkorbzwang gab es bisher in Berlin aber nur einmal - im Jahre 1863. Aber die damalige Polizeiverordnung geriet schnell in Vergessenheit, sie ließ sich schon damals nicht durchsetzen.

Erst rund 135 Jahre später wurde eine Leinenpflicht erstmals wieder politisch diskutiert. Das war Anfang 1998 im Vorfeld der neuen Berliner Hundeverordnung, die am 12. November des gleichen Jahres in Kraft trat. Doch sie sieht den Leinenzwang nur auf Wegen in Wohnanlagen und Treppenhäusern vor. Danach wechselten sich Beschlüsse und Erklärungen ab. Hier die Chronologie

Januar 1999: Die SPD präsentiert unter der Federführung von Umweltsenator Peter Strieder einen Entwurf für eine verschärfte Hundeverordnung und reagiert damit auf Kritik, das bisherige Papier sei zu lasch. Sie will aber nur die sogenannten Kampfhunderassen auf allen öffentlichen Wegen und Plätzen generell an die Leine nehmen. Ansonsten werden Pitbulls und andere als gefährlich eingestufte Rassen unter Hausarrest gestellt. Sie sollen nur auf "ausbruchsicheren Grundstücken" frei herumlaufen.

25. März 1999: Das Abgeordnetenhaus beschließt mit den Stimmen von CDU und SPD eine Leinenpflicht für alle Hunde in Berlin. Sie soll die neue Hundeverordnung verschärfen. Außerdem sprechen sich die Abgeordneten für einen Gesetzentwurf zur Hundehaltung aus. Er soll im Laufe des Jahres vom Senat erarbeitet werden und die Verordnung auf längere Sicht ablösen.

15. Mai 1999: An diesem Tag meldet der Tagesspiegel: "Strieder läßt Hunde wieder von der Leine". Hintergrund ist die Weigerung des Umweltsenators, den beschlossenen Gesetzentwurf inklusive Leinenzwang zu unterstützen. Es sei "völlig übertrieben und eine typisch deutsche Idee, jeden Zwerghund an die Leine nehmen zu wollen", begründet er seine Kehrtwende.

Stattdessen spricht sich Peter Strieder erneut für härtere Restriktionen gegen Kampfhunde aus.

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