Berlin : Mit Grüßen aus der 2Raumwohnung

Sie hat prominente Förderer, gerade ihr zweites Album eingespielt und findet, sie könnte mehr Coolness gebrauchen: Sängerin Toni Kater

Nana Heymann

Beim ersten Mal war sie ganz aufgeregt. Als es dann schließlich soweit war, als ihr Debütalbum „Gegen die Zeit“ endlich veröffentlicht wurde, da musste sich Toni Kater persönlich vergewissern, dass ihr Werk auch tatsächlich in den Plattenregalen steht. Vielleicht konnte sie erst da richtig begreifen, dass ihr Wunsch, Musikerin zu werden, auch tatsächlich in Erfüllung gegangen ist.

Ein Jahr ist das nun her, und mittlerweile hat sich Toni Kater an das Leben im Studio und auf der Bühne gewöhnt. Die zierliche Sängerin, die vor neun Jahren aus einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt nach Berlin zog und nun in Friedrichshain lebt, sitzt in einem kleinen Eck-Café in Mitte. Sie wirkt zurückhaltend, und während ihre schmalen Finger ein Glas Wasser umklammern, spricht sie über ihr neues, zweites Album, das sie gerade in einem Studio in Osnabrück eingespielt hat. „Futter“ heißt es und erscheint Anfang September.

„Es ist toll, dass man machen kann, was man immer schon machen wollte“, sagt die 28-Jährige. Daran hatte sie vor nicht allzu langer Zeit selbst fast nicht mehr geglaubt. Bei einer großen Plattenfirma war sie unter Vertrag, doch mehr, als Auftragsproduktionen einzusingen, ihre Stimme für eilig zusammengeschraubte Lieder eifriger Produzenten herzugeben, trauten ihr die Plattenbosse nicht zu. Dabei wollte sie doch ihre eigenen Ideen umsetzen, selbst Texte schreiben und Lieder komponieren.

Also bastelte Toni Kater in Eigenregie an einem Demoband und schickte es an Inga Humpe, eine Hälfte des Berliner Elektropop-Duos 2Raumwohnung. Die vermittelte Kater kurzerhand einen Vertrag mit ihrem Label „It Sounds“, dann produzierte 2Raumwohnung Tonis Erstling „Gegen die Zeit“. Mittlerweile sind 2Raumwohnung für Toni Kater nicht nur Mentoren und Kollegen, sondern ein Stück weit auch Familie.

Auf ihrem Album spielt sie mit verschiedenen Stilrichtungen. So präsentiert die Popromantikerin auf „Futter“ neben verträumten Balladen wie „Ist er der“ auch energiegeladene, rockigere Stücke. „Ich habe lange gebraucht, um mich frei zu schwimmen“, sagt Toni Kater, die sich von der amerikanischen Sängerin Cat Power zu ihrem Künstlernamen inspirieren ließ und von ihrem bürgerlichen Namen nicht mehr als den Vornamen Annette verraten will.

Ob sich ihre früheren Erwartungen an das Musikerdasein mit den Erfahrungen von heute decken? Toni Kater überlegt, bevor sie antwortet. „Vieles hat sich erfüllt, und dennoch ist das Ganze nach wie vor spannend.“ Gerade im vergangenen Jahr habe sie viel gelernt, über sich selbst, aber auch über das Musikgeschäft. Zu den unangenehmeren Erfahrungen gehören vielleicht die jüngsten Schlagzeilen über vermeintliche Sex- und Drogen-Orgien bei einer Preisverleihungsparty von 2Raumwohnung, bei der auch sie eine goldene Schallplatte in Empfang nehmen durfte. Doch darüber kann sie nur verwundert den Kopf schütteln. Inzwischen sei nichts mehr überraschend. „Aber ich glaube, ich könnte künftig noch eine ganze Portion Coolness gebrauchen.“

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