Berlin : Mit Hang zum Hängenbleiben: Unfallfalle Eisenbahnbrücke

Klaus Kurpjuweit

Warum immer hier? Unter den Bahnbrücken an der Klemkestraße, die Pankow und Reinickendorf verbindet, bleiben zu große Fahrzeuge so häufig hängen wie wohl an keinem anderen Bauwerk in der Stadt. Zuletzt fuhr, wie berichtet, am Freitag ein Lastwagen gegen die nur 3,70 Meter hohe Brücke. Bereits im März und April waren dort Lastwagen hängen geblieben – wie auch schon mehrfach zuvor. Besonders spektakulär war der Versuch eines BVG-Busfahrers, mit einem Doppeldecker auf Dienstfahrt die Brücken passieren zu wollen. Dabei wurde dem Bus im vergangenen Dezember das gesamte Oberdeck „abrasiert“.

Die Konstruktion der Brücken an der Klemkestraße ist etwas tückisch, weil die vier Einzelbauwerke unterschiedlich hoch sind. Am niedrigsten sind die innen liegenden Träger. Auch am Freitag blieb der Lastwagen erst an der zweiten Brücke hängen. Die Überbauten sind alle saniert und stabil. Trotz der vielen Unfälle hat sich die Statik des Bauwerks nicht verschlechtert; selbst die Spuren der Kollisionen sind kaum zu erkennen.

Gewarnt werden die Fahrer in beiden Richtungen durch je zwei Schilder, die auf die Durchfahrthöhe von 3,70 Meter hinweisen. Wobei das erste Schild auf der Ostseite etwa 250 Meter vor den Brücken steht, während das zweite unmittelbar davor platziert ist. Zudem ist hier Tempo 30 angeordnet. Wie üblich klein gehalten sind die Hinweise „Gesperrt für DD-Bus“, die sich an die Fahrer von Doppeldeckern der BVG wenden. Auf der Westseite ist das Schild zudem ausgebleicht und schwerer zu erkennen.

Zusätzlich warnen könnte eine Hilfskonstruktion vor der Brücke, wie sie häufig bei Baustellen üblich ist. Kurz vor dem Hindernis würde bei zu hohen Fahrzeugen eine Stange herabfallen und den Fahrer so warnen. Warum diese Möglichkeit nicht genutzt wird, ließ sich gestern nicht klären.

Aber auch andere Berliner Brücken werden immer wieder zu Fallen für Lastwagen oder Doppeldeckerbusse. So blieb am 14. Februar ein litauischer Fahrer, der auf seinem Transporter gebrauchte Autos geladen hatte, an der Bergstraße in Steglitz an der Bahnbrücke hängen.

Mehrfach erwies sich auch bereits die Bahnbrücke über der Drakestraße in Lichterfelde als zu niedrig; auch für Doppeldecker der BVG. Trotzdem hat der Senat jetzt beim Neubau der Brücke darauf verzichtet, die Durchfahrthöhe zu vergrößern. An den Kosten wollte sich das Land nicht beteiligen. Klaus Kurpjuweit

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