Berlin : Mit Hubschrauber und Bus durch Berlin

LORENZ MAROLDT

Ein Gast für 24 Stunden: Das dichtgedrängte Besuchsprogramm des amerikanischen Präsidenten Bill ClintonVON LORENZ MAROLDT BERLIN.Der Marmorsaal in Schloß Sanssouci, das Grabmal Friedrichs des Großen, Schauspielhaus, Schloß Bellevue und der Flughafen Tempelhof - das sind die großen Stationen beim Besuch des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton in Potsdam und Berlin am Mittwoch und Donnerstag kommender Woche.Das Besuchsprogramm, das dem Tagesspiegel vorliegt, beschreibt bis ins kleinste Detail jeden Schritt Clintons an diesen beiden Tagen.Demnach verzichtet Clinton, der am Beginn der Feierlichkeiten zum 50.Jahrestag der Luftbrücke teilnimmt, auf den Besuch etlicher Orte, die für die Nachkriegsgeschichte Berlins und das besondere deutsch-amerikanische Verhältnis stehen: Cecilienhof in Potsdam, Glienicker Brücke, die Freie Universität oder das ehemalige Kontrollratsgebäude am Kleistpark sind als Besuchsstationen nicht vorgesehen.Die Chance, den Präsidenten zu sehen, werden nur wenige Berliner haben: Anders als beim letzten Besuch Clintons vor vier Jahren ist diesmal keine größere öffentliche Rede vorgesehen.Nur zur Flugzeugtaufe in Tempelhof am Donnerstag sind siebentausend Gäste geladen, darunter viele Schüler.Clinton wird am Mittwoch, 13.Mai am späten Vormittag in Berlin landen und gleich mit dem Hubschrauber weiter nach Potsdam fliegen.Im Ehrenhof des Neuen Palais soll er kurz nach 12 Uhr mit militärischen Ehren von Bundeskanzler Helmut Kohl empfangen werden.Am späten Nachmittag fliegen beide zurück nach Berlin.Clinton verläßt die Stadt genau 24 Stunden nach seiner Ankunft mit Air Force One in Richtung Frankfurt (Main), von wo er weiter nach Thüringen fliegt.Dort besucht er unter anderem das Opel-Werk in Eisenach, spaziert durch die Innenstadt und fährt anschließend mit einem gepanzerten US-Jeep auf die Wartburg.Am Donnerstag abend besteigt Clinton wieder die Präsidentenmaschine und fliegt nach Birmimgham zum Wirtschaftsgipfel.Clinton wird mit den Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Bernhard Vogel sowie dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen zusammentreffen.Bei etlichen Protokoll-Punkten steht noch eine Feinabstimmung zwischen den Delegationsleitern aus.So ist offen, ob Clinton nach der Rückkehr aus Potsdam am Mittwoch nachmittag zunächst ins Hotel Intercontinal fährt oder zu einem Gespräch mit Bundespräsident Herzog ins Schloß Bellevue.Leicht unterschiedliche Vorstellungen gibt es hier und da auch über die Frage, an welchen Orten welche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich und wo welche Fotos erwünscht sind.Ein Programmpunkt allerdings scheint unveränderbar festzustehen: die Flugzeugtaufe in Tempelhof.Gemeinsam mit Kohl soll Clinton vor der DC 3 "Spirit of Freedom" den Luftbrücken-Piloten Gail Halverson treffen, der von Juni 1948 bis Mai 1949 Einsätze flog.Es folgt die Taufe einer C 17: Begleitet von einem Tusch der Big-Band enthüllen der Regierende Bürgermeister und der Oberkommandierende der amerikanischen Air Force in Europa den Namenszug des Flugzeugs "Spirit of the City of Berlin", Bundeskanzler Kohl und Präsident Clinton zeichnen sich in das Namenszertifikat der Maschine ein und, so ist es angekündigt, "die Big-Band der Bundeswehr spielt die Melodie Berliner Luft".Fest steht auch die Musikbegleitung am Vorabend im Großen Saal des Schauspielhauses: Das Deutsche Symphonie Orchester DSO, vormals Rias, spielt Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr.3 Es Dur (Eroica).Hier wird Clinton gegen 18 Uhr vom Regierenden Bürgermeister begrüßt.Anschließend halten Diepgen und Kohl eine jeweils viertelstündige Ansprache.Die Hymnen beider Länder beenden diesen Teil des Programms.Falls Clinton nicht schon am Nachmittag bei Bundespräsident Herzog war, trifft er ihn jetzt.Am späten Abend gibt Herzog ein festliches Abendessen im Hotel Adlon - dafür sind zwei Stunden vorgesehen.Geht alles nach Plan, ist Clinton am Mittwoch abend um kurz nach 23 Uhr zurück im Hotel Intercontinental.Donnerstag früh hat Clinton Zeit für ein ausgiebiges Frühstück: Erst gegen elf Uhr fahren er und Kohl in einem Sonderbus zum Flughafen Tempelhof, wo auf einer Tribüne bereits die geladenen Gäste warten.Mit dabei auch eine Luftwaffenkompanie (100 Mann) und je ein Luftwaffenmusikcorps (70 Mann) der US-Air-Force und der Bundeswehr im großen Dienstanzug; am linken Platzrand spielt die Big Band der Bundeswehr zum Eintreffen der Gäste sowie bei Ankunft des Bundeskanzlers und des Präsidenten.Der Bundeskanzler und Präsident Clinton begeben sich zur Tribüne, begrüßen das Publikum und sprechen mit Schülern der Deutsch-Amerikanischen J.F.-Kennedy-Schule - soweit der Plan.Änderungen des Programms sind bis zur letzten Minute aus unterschiedlichen Gründen möglich.So läßt sich zur Zeit auch noch nicht verbindlich sagen, wann genau Clinton durch welche Straßen fährt - wer ihn sehen oder ihm zuwinken will, muß unter Umständen lange warten und steht dann vielleicht doch am falschen Ort.Näher an Clinton heran werden wohl die Eisenacher kommen: Am Donnerstag nachmittag wird der Präsident voraussichtlich über die Karlstraße durch die Fußgängerzone zum Bachhaus gehen.Der Programmpunkt hier: "Kurzes Anspielen einzelner historischer Instrumente."

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