Berlin : Mit Informationen aus dem Internet am Stau vorbei

Thomas Loy

Am 30. Juni beginnt in Berlin das intelligente Auto-, Bus- und Bahnfahren. Die bereits als "Geheimwaffe" gegen den Stau angekündigte Verkehrsmanagementzentrale - kurz VMZ - nimmt dann ihre Arbeit auf. Hinter den drei Buchstaben verbirgt sich ein zentrales Leitsystem, das alle vorhandenen Daten zu Verkehrsbelastung, Parkplätzen, Baustellen, Unfällen, Fahrplanänderungen und Staus erfasst und in Verkehrsprognosen und individuelle Routenplanungen ummünzt. Am gestrigen Freitag gab die debis Mobility Services, die das System im Auftrag des Senats realisiert, einen Zwischenbericht. Tenor: Alles ziemlich komplex und schwierig, aber im Sommer sei man "ready to go".

Eine wichtige Komponente des Systems ist das Internet. Dort wird eine Seite eingerichtet, auf der jeder Nutzer seine individuelle Fahrt planen kann. Die genaue Adresse steht noch nicht fest. Nutzen kann es jeder Berliner mit Internet-Anschluss. Eingegeben werden nur Start- und Zielort, und der VMZ-Rechner liefert dann relativ schnell die optimale Streckenführung, das optimale Verkehrsmittel und eine Routenbeschreibung. Ist die kürzeste Strecke zu stark befahren oder durch Baustellen blockiert, werden Umleitungen empfohlen. Die Infos gibt es auch per Handy (WAP-System und SMS-Meldungen), dann allerdings gegen eine Nutzungsgebühr, deren Höhe noch offen ist. Auch die Menuführung ist per Handy etwas primitiver. Prinzipiell werden aber auch hier nur Ziel- und Ausgangsort eingegeben, und die VMZ liefert die Fahrtroute. Ändert sich unterwegs etwas, erhält der Nutzer eine Nachricht. Bisher sind nur die Betreiber der Netze D1 und D2 mit im Boot. Weitere sollen folgen.

Das debis-Unternehmen arbeitet mit S-Bahn GmbH und der BVG zusammen, denn grundsätzlich genieße der öffentliche Nahverkehr beim neuen System Priorität, sagte debis-Manager Michael Rummel. Das Leitsystem solle auch kein "Instrument für Privilegierte" sein. Die VMZ werde nur für die Handy-Abfrage ein "bescheidenes Entgelt" fordern. "Das ist für uns keine große Gewinnveranstaltung", sagte Rummel. Geld verdienen wolle man vielmehr mit TV- und Rundfunksendern, die aktuelle Berichte zur Verkehrslage veröffentlichen wollen. Der Senat leistet eine Anschubfinanzierung von 30 Millionen Mark. Davon werden auch 150 Lasersensoren bezahlt, die an neuralgischen Punkten den Verkehrsfluss messen und die Daten ständig in die Zentrale funken. Stückpreis: 10 000 Mark. Bisher ist nur ein Sensor am Reichpietschufer auf Höhe des debis-Hauses installiert. Bis zum Sommer soll etwa ein Drittel der Anlagen stehen. Ergänzend werden etwa 20 Kameras an wichtigen Kreuzungen aufgestellt, die ihre Bilder ins Internet einspeisen. Mit Videoüberwachung habe das nichts zu tun, sagte Rummel: Die Qualität der Bildübertragung sei viel zu gering. In den nächsten Wochen werden auch die angekündigten Infoschilder an größeren Zugangsstraßen und Autobahnen ins Stadtzentrum stehen, verspricht Rummel. Der Standort der Verkehrsmanagementzentrale ist noch offen. Der Vertrag mit dem Senat, in dessen Besitz Zentrale und alle Anlagen bleiben, läuft über zehn Jahre.

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